Fortbildung muss sein!

Veröffentlicht: Februar 22, 2012 in Uncategorized

Wie jedes Jahr kommt immer an der ungelegensten Stelle des leidliche Thema: Fortbildung auf. Wie bekannt ist, müssen Mitarbeiter im Rettungsdienst (ich weiß nicht, wie das bei den anderen Hilfsorganisationend geregelt ist ..) jährlich 30 Stunden Fortbildung an einer anerkannten Schule vorweisen können. Die Inhalte dieser Fortbildung werden maßgeblich durch den ÄLRD bestimmt bzw. orientiert sich an den Grundsatz Vitalfunktionen sichern und grober Rundschlag durch die breite Palette der Notfallbilder. Natürlich werden die neusten Standards der Reanimation laut ERC erläutert (oder eher die Änderungen beleuchtet) und Veränderungen im Notfallsystem selbst besprochen. Meist werden von unserer Schule aus noch praktische Einheiten eingefügt, die aber längst nicht überall im Lehrplan stehen (wir haben halt eine gute Schule ;) ).

Immer wieder interessant die vergessenen Theoriepuzzle zusammenzusetzen, da man sie aufgrund mangelnden Gebrauchs schnell vergisst und erschreckenderweise viel in eine Art Routine und damit die gefürchtete “Berufsbljndheit” rutscht. Stichwort: Differentialdiagnose rutscht eben immer mehr in den Vordergrund. Der moderne Patient will nicht nur in ein Schema gepresst und nach Algorithmen behandelt werden, sondern individuell gescreent und a lá Dr.House-Medizin therapiert werden.

Auch ist jedem noch so erfahrenem Retter die praktische Lehrstunde zu empfehlen. Gerade in Sachen Airwaymanagement und Beatmungsmöglichkeiten und -techniken ist im Zeitalter des stetigen Wandels eine Neuheit anzutreffen. Und wenn es nur Frequenzänderungen oder Tipps im Berufsalltag sind.

Das abschließende gemütliche Beisammensitzen rundet so einen Nachmittag gelungen ab, sodass man sich nochmal mit länger nicht gesehennen Kollegen austauschen oder besonders belastende Einsätze zum persönlichen Seelenwohl erzählen kann. Man ist nie allein mit den Problemen. Mindestens einer hat in solch einer Runde etwas Ähnliches erlebt und kann aus eigenem Erfahrungsschatz plaudern.

 

Also: Auch wenn sich Fortbildung noch so langweilig (und zum Teil ist sie es auch…) und zäh anhört, ist sie dennoch sinnvoll und verleiht spürbar mehr Sicherheit im alltäglichen Wahnsinn auf Deutschlands Straßen :)

 

Hin da! Bei nächster Gelegenheit.

Jahresabschluss-Bilanz

Veröffentlicht: Februar 5, 2012 in Rettungsdienst
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Nach einiger Zeit des Wartens veröffentlichte unser Kreis unlängst die bevorstehende Jahresabschluss-Bilanz des vergangenen Jahres 2011. Wie zu erahnen war, sind die Zahlen durchgehend gleich geblieben; der ein oder andere Monat war etwas vollgepackter mit den Einsatzaufkommen, aber im Großen und Ganzen hat es keine signifikanten Änderungen gegeben. Anders steht es bei unserer Berufsfeuerwehr, die ein 2 bis 2,5mal so hohes Einsatzaufkommen auf das ganze Jahr verteilt auf zu weisen hat, als es das letzte Jahr der Fall war. Vermutungen nach, sind die meisten Einsätze aufgrund fehlender Brandschutzanlagen und Warnvorrichtungen entstanden, welche seit neusten wieder die Rauchmelder-Pflicht (bzgl. Privathaushalte) auf den Diskussionstisch geworfen hat.

Des Weiteren hat der öffentliche Dienst um Rettungsdienst, Feuerwehr, Katastrophenschutz usw. immer mehr und öfter mit Vandalismus und Sabotage zu kämpfen. Dabei ist ein enormer Anstieg an Gewaltakten bzw. versuchten tätlichen Angriffen auf Feuerwehr- bzw. Rettungsdienst-Mitarbeiter zu erkennen, sowie eine gezielte Manipulation und Zerstörungswut gegenüber der Fahrzeuge deren Organisationen. Die in der Großstadt längst bekannte Respektlosgikeit und Hemmungslosigkeit der Öffentlichkeit gegenüber Mitarbeitern bei Fw, Rd und Hilfsorganisationen scheint nun also auf langsam auf die Kleinstädte und Umländer überzuschwappen. Mehrere Lösungsvorschläge wurden bereits auf den Tisch gelegt und ausgearbeitet; die praktische Umsetzbarkeit wird sich wie immer zeigen müssen, wenn es zu einer Verabschiedung etwaiger Gegenmaßnahmen kommt (oder auch nicht ;) ).

An letzter, erwähnenswerter Stelle sind die Zahlen zu nennen, die die im Fw, Rd usw. arbeitenden Mitarbeiter erfassen, welche unter psychischer Belastung und deren Folgen geeignete Rehabilitationsstätten aufsuchen mussten: sprich, die am Burn-Out- Syndrom, Posttraumatische-Belastungsstörung oder Rückenleiden Erkrankten. Insgesamt ist die Fallrate gesunken, jedoch bewegt sie sich noch auf einem relativ hohen Niveau! “Ein Entgegenwirken gestalte sich meist recht schwierig,”, so wurde ein Zitat des Allgemeinmedizniers Dr. A. Sehnt angefügt, “da sich viele betroffene Mitarbeiter erst in der Spätsphase der jeweiligen Erkrankung melden oder spezialisierte Klinik erst aufsuchen, wenn schon irreversible Schäden zu erkennen sind. Grundsätzlich sollte die Sensibilität für psychische und physische Leiden erneut überdacht werden und schon bei kleinsten Anzeichen für eine solche Erkrankung um Rat gesucht werden. Denn jene Einrichtungen und Verfahren zur Genesungsförderung seien bereits vorhanden und haben durchweg gute Erfolge verzeichnen können.”

Auf ein gutes neues Jahr in Feuerwehr, Rettungsdienst oder anderen Hilfsorganisationen :) !

Mal wieder was zum Erzählen:

Ich war ganz normal in eine Nacht eingetragen, auf dem Ktw natürlich, warum auch nicht. (umpff) Ich dachte an eine ganz normale Nacht, wie sie in unserem Kreis doch so unterschiedlich sind, wie die dort anzutreffenden Krankheitsbilder. Heißt, mal schläft man ab 23 Uhr durch und mal fährt man durch, oder (ganz schäbig) man wird immer wieder rausgeklingelt und kommt nicht in die Tiefschlafphase. Naja, darauf vorbereitet, packte ich wie üblich meine Sachen und fuhr langsam los. Eigentlich mag ich Nachtschichten echt gerne. Man fährt los, wenn man ausgeruht und vorher seine Liebsten nochmal gesehen hat; und darf nach Hause fahren, wenn den anderen Morgen alle zur Arbeit fahren. Ebenso ist Autofahren wesentlich entspannter und die Straßen sind wie leergefegt.

Ich kam an, parkte meinen Wagen gewohnt in meine bevorzugte Parkbox ein und ging zur Wache, mich umziehen. Die Kollegen warteten schon sehnsüchtig auf die Ablöse, war anscheinend ein anstrengender Dienst auf dem Spätwagen. Ich verkabelte mich und fing an den Wagen zu checken, füllte hier und da auf, wischte zur Vorsicht nochmal ein paar Stellen über und drückte uns rein, als der Kollege von der Spätschicht bestätigte, dass mein Kollege schon in den Wachräumen rumgeistert. Die Spätschicht beendete die tägliche und ging Status 6. Mein Kollege, Simon, hatte derweil ein paar Süßigkeiten über den Küchentisch verteilt und sich schon fachgemäß für eine lange Nacht ausgebreitet. Wir verbrachten ein paar ruhige Stunden, vorm Fernseher und vorm Laptop, während uns der erste Einsatz entgegenflog. Gemeldet war: “Hilope”. Nicht wirklich, dass mich das überrascht hätte, aber ich hatte solch eine Meldung schon lange nicht mehr erfahren dürfen; umso unterhaltsamer das erstmalige Zusammentreffen wieder mit einer jenen “Hilo”. Wir fuhren ein paar Straßen weiter, an der Innenstadt vorbei und parkten unser treues Gefährt neben einer dunkel gekleideten Person, die offenbar hilflos am Straßenrand kauerte, halbseitig an einem Treppenabsatz gelehnt. Ich ging bedacht auf die Person zu und sprach sie an. Sie reagierte verzögert, aber zielgerichtet. Auf einmal ging die Haustür auf und ein junger Mann erschien im Türrahmen. Sie klärte uns kurz auf, im Rahmen seiner Möglichkeiten nach exzessivem Alkoholkonsum. Soweit ich das verstehen konnte, sei er der ältere Cousin des dort auf dem Boden sitzenden Jugendlichen, der wohl übermäßig ins Glas geschaut hatte, jedoch prompt eine Abfuhr von seinem noch “untrainierten” ( ;) :D ) Körper erhalten hatte. Er schritt dabei leicht beiseite und erhellte nun mit dem Flurlicht den älteren Jugendlichen. Gleichzeitig trug ein aufkommender Windzug den Geruch von Alkohol (Sambuca, höchstwahrscheinlich) und Erbrochenem an unsere Nasen. Ich schaute mir den Typen genauer an, erhob nach allen Arten der Kunst eine einigermaßen als solche zu bezeichnende Anamnese und trug ein paar Daten ins Protokoll. Simon führte in der Zeit einen kurzen Smalltalk und versuchte noch ein paar Informationen zu bekommen, dazu schien ihn die derzeitige Situation sehr zu amüsieren. Er bereitete danach schon mal die Trage vor, während ich sie bezog. Wir hievten den Jungen recht schwungvoll rüber und verschnallten ihn. Nach dem Einladen und dem Abstimmen mit dem verantwortungsvollen Cousin, nahmen wir Fahrt in Richtung nächstgelegenes Krankenhaus auf. Ich installierte noch kurz das sog. Monitoring und sprach mit dem immer müder werdenden Patienten. Er wurde langsam unruhiger und bewegte sich häufiger, als ich schon zur Kotztüte griff. Ich presste ihm die Tüte in die Hand und gab ihm ein paar Anweisungen, damit nicht alles daneben läuft. Aber zu spät, 1/3 in die Tüte, der Rest auf’s T-Shirt. Super! Notdürftig versuchte ich das Massaker ein zu dämmen und wischte grob sauber, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Das Leiden und die gefühlte Reue des Patienten machte meine zusätzlichen Mühen, die ich nun hatte, wieder voll kommen wett. Immer wieder erstaunlich, wie viele Abusus-Pat.s versichern, versprechen und schwören, nie wieder Alkohol anzurühren oder soviel zu trinken oder durchmischt zu trinken oder oder … . Wie viele das wohl wirklich einhalten?!

Wir erreichten unser Ziel und kamen langsam in der Liegendeinfahrt zum Stillstand. Ich hatte den Pat. nun größtenteils von seinem Erbrochenem befreit und seine Sachen wieder oberflächlich hergerichtet. Er war jetzt wieder völlig aufgeklart und ich konnte ihm den Stand der Dinge wieder ins Gedächtnis rufen. Er entschuldigte sich und versuchte, seine peinliche Lage nun nicht weiter zu verschlimmern. Wir fuhren mit ihm in die Ambulanz, woraufhin uns grinsend Sr. Mandy entgegenkam. Ein Zwinkern gab ihr schon zu verstehen, dass ein Jugendlicher C2 einchecken wollte. Der 6. heute laut Mandy, jedoch sicherlich einer der kooperativsten, zumindest im Moment. Wir lagerten um und machten eine Übergabe. Simon sah die Reste auf der Trage und griff beherzt zu einem Tuch. Er lachte als er sich möglicherweise die Szenerie vor Augen hielt, da ich ihm noch keine Einzelheiten mitteilen konnte. Der Pat. nickte mittlerweile ein und stand jetzt am Anfang, das Ausnüchterungsschema übermäßigen Alkoholkonsums von Jugendlichen, zu durchlaufen; wohl oder übel. Ich nahm der Sr. noch schnell ein paar Aufgaben ab, sprach dem Pat. ein paar beruhigende Worte zu und skizzierte ihm den weiteren Verlauf. Seine Ängste schienen sich zu verringern und die Peinlichkeit und Hilflosigkeit schien ihm jetzt Tränen in die Augen zu treiben. Ich tröstete ihn, momentan wirklich mitfühlend, als er mir seine schwierige Lebenssituation schilderte, die für einen 16-Jährigen wirklich außergewöhnlich klang. Nach einer Vielzahl ernst gemeinter Ratschläge und Tipps verließ ich den Raum, nicht ohne ihm jetzt ein besseres Gefühl bereitet und aufgemuntert zu haben. An der Ecke spaßten Mandy und Simon ausführlich rum und humorisierten professionell die üblichen Szenen. Irgendwann hatte mir Simon wohl auch mal gesagt, dass Mandy sehr süß sei. (Womit er zwar recht hat, aber bitte, doch nicht bei der Arbeit :P ). Wir quatschten noch ein wenig und trafen hier und da mal jemanden, bis wir alle recht müde, uns auf ein break geeinigt hatten und in unterschiedliche Richtungen verschwanden; naja, nicht ganz, ich musste nur noch kurz zur Anmeldung, dann aber natürlich ins gut vorgeheizte Auto, auf dem Weg zur Wache. Simon und ich schmunzelten noch ein wenig über den irgendwie grotesken, aber unterhaltsamen Einsatz. Sicherlich mal wieder ein angenehmer Hilope-Einsatz, nach mehreren missglückten Geschehnissen (folgen noch ..). In der Garage geparkt, waren wir uns sicher, dass wir durchschlafen können. Und wie in einem schlechten Film, wo man das happy-end schon voraussehen kann, konnten wir wirklich unterbrechungsfrei bis zum Morgen durchschlafen. Sehr erholsam, muss man sagen. Schon länger nicht mehr erlebt. Die Frühschicht begrüßte uns freundlich mit herrlich duftendem Kaffee und wir erzählten, ausgehend von Simon (vielleicht hat der Einsatz seinen Träumen eine lustigere Atmosphäre verliehen, wer weiß?!), von dem fehlgeschlagenem Besäufnis und konnten damit unseren Kollegen einen unbeschwerlicheren Start in den Tag beschaffen.

Simon und ich erledigten noch gewissenhaft die Nachbereitungen und verabschiedeten uns dann freundschaftlich. Ich stieg ein und fuhr der langsam aufsteigenden Sonne entgegen.

Traumhaft schön!

Kühle Luft rauscht einem um die Ohren und man fühlt sich doch recht allein auf der Heimfahrt, während die Arbeitswelt gemächlich erwacht. Ich mag Nachtschichten einfach :D

Nach einiger Zeit ist mir nun gelungen, mich mal aufzuraffen und meine Gedanken in textform zu bringen.

Die verbachte Zeit dürfte ich unter anderem auf wirklich sehr erheiternden und belustigenden Sanitätsdiensten verbringen. Aufgrund einer Erkältungsgeschichte habe ich erstmal keine Rtw- oder Ktw- Schichten angenommen. Heißt natürlich nicht, dass man nicht gleich aus dem Kader der üblichen Verdächtigen gestrichen wird. So kam es auch schnell, dass ehe ich mich versah, auf einem San-Dienst mein Unwesen trieb. Ich dachte mir im Stillen, dass ein paar Stunden rumsitzen, Essen, bisschen quatschen und nach Hause fahren, dafür wirklich gut bezahlt werden. Leider sollte ich meine Meinung  noch früh genug ändern:

Früh morgens stieg ich noch müde in meinen Wagen und fuhr laaangsam zur Wache. Es war schon reges Gewusel zu registrieren, und zu allem Unmut schlenderte noch der Schichtführer in den Gängen der Wache umher. Wahrscheinlich wieder auf der Suche nach verirrten Zivis oder Ehrenamtlern, die er im Momente des Unbeobacht-Seins mit seinem imaginären Fangnetz für Dienste aquirierte. Ich huschte vorbei an den kritischen Stellen, sind mir doch die Schlupflöcher und unbenutzten Wege nur zu gut bekannt. ;) Ich befand mich dann schon im Umkleideraum und wechselte meine Kleidung. Zu allem Erstaunen waren meine passende Hosen- und T-Shirt-Größe noch vorhanden, obwohl ich, weitsichtig wie ich bin, noch einen passenden Satz im Auto mithatte. (Jeder, der schonmal mit überweiter Einsatzkleidung arbeiten musste, weiß sehr genau, wie wichtig ein Reservesatz in unmittelbarer Reichweite ist :D)

Umgezogen und gestriegelt begab ich mich auf die Suche nach San-Rucksack und einem geeigneten und freiem(!) Auto. Nach kurzer, routinierter Umher-irrerei (die Wache hat ihre Räumlichkeiten mitttlerweile umstrukturiert) waren alle nötigen Sachen gefunden und verstaut. Mittlerweile kam auch der Kollege aus dem Umkleideraum und ging mit mir gemeinsam zum Wagen. Wir fuhren nun eine Weile und stationierten und fachgerecht. Materialien wurden zurechtgelegt und eine Position gesucht, in der man einige Zeit ruhig aushalten könnte.

So verging die Zeit und es füllte sich die zentrale Unfall-Hilfs-Stelle mit immer motivierterem Personal und abgefahrenerem Gerät. Da ich die andere Dimension, in der man sich auf San-Diensten befindet schon kannte, machte ich mir keine unnötigen Gedanken.

Ein paar Patienten wurde behandelt, mehr oder weniger schlimm verletzt, und es hieß Essenszeit. Eine recht anschauliche Anzahl an Familienpizzen wurde in dem Personalcontainer getragen und schon begann das Schauspiel. Die adipösesten Hobby-Retter preschten blitzartig nach vorne und ergatterten sich einen Karton(!), wo normal Menschen sich höchstens ein paar Stücke wegnahmen, dampfte und köstlich duftende Pizzen. Die 1,5l Cola (light :D) stets in der Linken schlenderten sie auf die nächste freie Sitzgelegenheit zu und begannen ihr Festmahl. Im einvernehmlichen Stillschweigen hofften, glaub ich, alle sogleich, dass die Partybänke tatsächlich dem Gewicht standhalten würden. Doch die Balken wurden nur arg in Mitleidenschaft gezogen, leichtes Ächzen und Knarren, nicht weiter.

Ich hatte jedoch leider nur einen der hinteren Plätze in der Schlange, sodass ich mit Verdruss feststellen musste, dass nur noch die kalten, zerfetzten Pizzastücke in der Ausgabe lagen.

Ich nahm widerwillig ein, zwei und zwingte sie mir runter. Im Hinterkopf den Gedanken: “Du musst den auch was kosten, sonst bestellen sie demnächst wieder so wenig.” So vernichtete ich das Pizzagemetzel und beschlagnahmte erstmal eine Mineralwasserflasche in der Nähe, die ich aber nicht sonderlich verteidigen musste, was jedoch beim momentan aufgefahrenen Dessert exakt dem Gegenteil entsprach.

Ich guckte auf die Uhr und genoss die langsam in mir aufsteigende Feierabendfreude. Ich packte ein bisschen zusammen und schnappte nochmal die vielen lustigen Momente der adipösen Hobby-Retter auf. Diese stritten derweil über die offensichtlich sehr raren Erdbeer-Joghurts. Harte Geschütze wurden da teilweise aufgefahren, wo letztendlich mit der rettungsdienstlichen Qualifikation versucht wurde, Eindruck zu schinden. Amüsant, aber auch recht traurig, wenn man bedenkt, dass in einer Großschadenslage jene Leute, die sich gerade äußerst kindisch um Essen zankten, retten sollen?! Irgendwie ein seltsames Gedankenkonstrukt.

Naja, da gilt wohl: Dem Ehrenamt sein Dank!

Weitere Minuten vergangen und ich durfte fahren. Bei meinen persönlichen Zeitvertreibern verabschiedete ich mich und fuhr gemächlich zur Wache, immernoch leicht am Schmunzeln über die grotesken Bilder, die mein Gehirn noch mühselig versuchte zu verarbeiten.

Ander Wache angekommen, warf ich die Klüngels nur noch in die nächstgelegene Ecke und schrie um Eck’, dass ich nun im Feierabend verschwinde; leider saß diesmal aber nun der Wachleiter im Büro :(, sodass ich eine kurze Rückmeldung aus den Fingern saugen musste. Und jetzt macht das mal, wenn du in 9 Stunden nichts Sinnvolleres getan hast als Lachen und Quatschen :D. Zum Glück gelang es mir halbwegs, zumal der Wachleiter selbst gedanklich schon im Feierabend war. Ich wurde entlassen und huschte wieder wie ein Ninja auf Mission an den sensiblen Ecken vorbei, krauchte zum Wagen und düste davon. Ein wirklich schöner Arbeitstag. Aber leider anstrengender als eine normale Rtw-Schicht bzw. eine Nacht auf’m Ktw.

Fazit: Wenn möglich erstmal keine San-Dienste mehr für mich, wenn es mir irgendwie gelingen sollte, auszuweichen.

Der Herbst kommt und die Unfallzahlen steigen wieder rapide an!

Jetzt kommt die Herbstzeit und der gemeine Autofahrer muss sich nun wieder auf die veränderte Straßensituation einstellen; Bätter, Nässe, Nebel und Müdigkeit aufgrund des allzeit diesigen Wetters tragen noch dazu bei die Übersicht zu verlieren.

Deshalb sollten Fahrmanöver, die mit Lenkbewegungen und abrupten Bremsen/ Beschleunigen zusammenhängen, tunlichst vermieden werden. Das Tagfahrlicht sollte sicherheitshalber auch tagsüber eingeschaltet sein und es sollte stets mit Fehlern anderer gerechnet werden.

Seichtes Fahren bringt einen aber dennoch sicher ans Ziel.

 

Gerade am gestrigen Tag sprachen erschreckende Bilder Bände:

“Ein Mittelklasse- Wagen rutschte in einer Kurve auf den durchnässten Blättern aus und geriet aus der Fahrbahn. Ein etwas außerhalb stehender Baum wurde mit mäßigem Tempo erfasst. Dabei wurde der Wagen frontswärts und seitwärts recht stark eingebeult und beschädigt. Der Fahrer und die Beifahrerin sind kurze Zeit bewusstlos gewesen, kamen aber nach Eintreffen des Notarztes wieder zu sich und wiesen insgesamt recht stabile Vitalfunktionen auf.

Die auf der Rückbank befindlichen Kinder jedoch wurden zeitversetzt reanimationspflichtig und verstarben leider kurz darauf an der Unfallstelle. Nach meinem Kenntnisstand überstanden die Eltern den Unfall folgenfrei und haben “nur” kleinere Frakturen und Blessuren davongetragen. ( ausgenommen den tragischen Verlust ihrer Kinder! ). Laut Polizeibericht konnte dem Fahrer explizit keine Schuld zugewiesen werden, wenngleich eine umsichtigere Fahrweise kein Entgleiten und Ausbrechen des Fahrzeugs provoziert hätte.”

Man kann es so oder so sehen, aber insgesamt ist der Rettungsdienst ein sehr sozialer und altruistischer Dienst an der Gesellschaft, am Menschen. Leider bleiben Geschehnisse, die einen manchmal an das Gute im Menschen zweifeln lassen, nicht aus:

Jeden neuen Arbeitstag geht der gemeine Rettungsassistent zu früher Morgenstunde zur Wache und schlägt sich mit seinem Kollegen zu dem zubesetzenden Transportmittel durch. Nach eingehender Untersuchung auf Vollständigkeit und Haltbarkeit wird der Wagen als einsatzbereit auf der Leitstelle angemeldet. Nun beginnt das mehr oder wenige bange warten auf den nächsten Einsatz, den nächsten Unfall oder Notfall. In dieser Zeit erfährt einen eine unterschwellige, aber stets vorhandene Grundanspannung. Mit der Zeit legt es sich natürlichermaßen, aber wird einem dann mit grellendem Ertönen des Melders wieder vor Augen gehalten. In dem Einsatzgeschehen wird im Regelfall sehr konzentriert und professionell gearbeitet. Keine unnötigen Risiken oder vermeidbarer Zeitverzug werden eingegangen. Menschliche Bedürfnisse und Emotionen werden weitestgehend weggesteckt bzw. vermieden am gegenwärtigen Einsatz zum Ausdruck zu bringen. Nach Ankunft am Krankenhaus und übergeben des Patienten an das zuständige Personal ist jedoch noch eine gewisse Aufregung vorhanden. Viele RD’ler sind Raucher. Bekanntermaßen erhoffen sich die meisten eine zeitweise Entspannung mittels Nikotinkonsum. Ist dann ein bisschen Ruhe und Entspannung eingekehrt, macht man sich wieder auf den Weg zur Wache, um sich Gedanken um das Mittagessen oder den Zeitvertreib auf dem geringen Platz zu machen. In groben Zügen sieht so ungefähr der Arbeitsalltag aus.

Sehr deprimierend und enttäuschend ist es dann, die (nicht seltene) schier grenzenlose Undankbarkeit mancher Mitmenschen zu sehen. Dass der Status und Respekt des Rettungsdienstes in der Gesellschaft innerhalb der letzten Jahre rapide abgenommen hat, ist längst kein Geheimnis mehr, doch dass die Menschen, den man geholfen, öfters auch gerettet hat, noch nicht mal einen Funken von Dankbarkeit zeigen können; das ist hingegen neu. Privatpatienten zu vorbestellten Krankentransporten sind ein Graus, aber, und das ist der Knackpunkt, darauf stellt man sich im Laufe der Jahre ein.

Nichts ist schlimmer als böse Überraschungen.

Wenn man jedoch einen Notfalleinsatz bekommt, welcher sich im Verlauf als Reanimation entpuppt, dann rechnet man nach erfolgreicher CPR, dass die umstehenden Angehörigen dankbar und zufrieden mit unserer Arbeit sind. Doch wenn man mit genau der gegenteiligen Reaktion konfrontiert wird, überkommt einem das Gefühl, dass über einem die Welt zusammenbrechen würde bzw. die Welt doch ungerecht ist. Und zu guter Letzt: Dankbarkeit ist die mittelbarste Beurteilung unserer Arbeit und eine ebenso grenzenlose Quelle von Motivation und Lob! Zu erwarten ist selbstverständlich nicht, dass Angehörige sich trotz gescheiterter Rea noch bedanken; doch bei einem anfänglich sehr chancenlosen Ausgangspunkt, den man durch gute Arbeit jedoch optimal genutzt hat, denkt man, dass ein Wort des Dankes angemessen ist und für den Einzelnen anwesenden äußerst wertvoll sein können.

Kann man mal drüber nachdenken, bei Gelegenheit. ;)

<Sartiremodus>

Die wohl am häufigsten angestellte Unterscheidung bei Eintreten in die Notaufnahme:

Ihr kommt schnellen Schrittes mit einem mehr oder weniger erkrankten Patienten, auf der Trage liegend, in die Notaufnahme gefahren und werdet nach einem Zeitraum x (wobei x auch manchmal gegen unendlich streben kann :P ) plötzlich aus einer dunklen und bis dato unbekannten Ecke angesprochen:

“Chirurgisch oder Internistisch?”  (Jetzt, Neulinge, Vorsicht! Lasst den erfahrenen Kollegen anworten und mimt einen Hustenanfall)

Je nachdem welche Schwester gerade Dienst hat und in welcher Stimmung die Gute ist, wird noch eine Begrüßung, der Tageszeit entsprechend, vorgeschoben.

Prompt muss die Antwort in Richtung Schwester gerufen werden, sonst wird dies schnell mal als Provokation oder Inkompetenz eurerseits aufgefasst. Ist die Entscheidung nach prüfendem Blick der Schwester zutreffend, wird sich nach dem zuständigen Facharzt umgeschaut; wenn es aber mal nicht gelingt, die richtige Einschätzung zu treffen, dann wird sich eine Vielzahl von möglichen Folgen vor euch öffnen:

  1. Euch werden in einer recht kindlichen, aber jovialen Art und Weise die Unterscheidungskriterien aufgezählt und womöglich an ein paar sehr einleuchtenden Beispielen verdeutlicht.  Eine eher angenehme Konfrontation, meist von dicklicheren, aber sehr fähigen, erfahrenen und äußerst lieben Krankenschwester bei fast jeder Tageszeit anzutreffen.
  2. Ihr werdet bemitleidenswert angeschaut, aber darauf nicht angesprochen. Meist von Teilzeitkräften vollzogen, die sich vor Augen halten, dass sie nur selten da sind und sich nicht unbeliebt machen bzw. aufspielen wollen. Ihr mütterliches Beschützerbedürfnis obsiegt des Öfteren einer deftigen Standpauke, wahrscheinlich aus gewohnheitlichen Gründen aus ihrer eigenen Großfamilie bekannt.
  3. Dieses Mal scheint die sichtlich erboste Schwester euch diesen Faux-Pas zu verzeihen, doch dies ist ein grausamer Trugschluss. Bei der nächsten günstigen Gelegenheit, wobei sich mit Anzahl und dem “Rang” der jeweils anwesenden Personen das Schamgefühl potenziert, wird die ganze Tragweite ihres nachtragenden Charakters offensichtlich, wenn sie dich mit einem wohligem Hochgenuss vor der ganzen Mannschaft vorführt. (Kann bei labilen Charakteren in einer langjährigen Psychopharmakasucht resultieren, die ihre Wurzel in sich stetig ausweitenden Minderwertigkeitskomplexen hat…)
  4. Ihr werdet, ungeachtet der derzeit anwesenden Personen, kurz angeschrien und mit abgeschwächten, latenten Beleidigungen minutiös runtergemacht, während sich die angesammelte Wut der Krankenschwester kanalisiert und auf euch geschleudert wird. Nach der Ansprache beruhigt sie sich wieder, entschuldigt sich dann auch nicht selten für ihre übertriebenen Ausuferungen und emotionalen Ausbrüche. Nach gemeinsamen/r Kaffee oder Zigarette lässt sich dafür umso reibungsloser und kollegialer arbeiten, da sie relativ stark im Leben steht und man mit ihrer Impulsivität gut umgehen kann. Öfter bei Schwestern Anfang/Mitte Vierzig, verheiratet, 2 Kindern, anzutreffen.
  5. Ihr werdet kurz ausgelacht, dann aber animiert, selbst über eure Dämlichkeit zu lachen. Der Fehltritt wird auf menschliche Attribute wie Übermüdung, Unkonzentration usw. geschoben und es wird in keinster Weise irgendwo angezweifelt, dass ihr nicht in der Lage seid eine glasklare Unterscheidung vorzunehmen. Mit Abstand die angenehmste Konfrontation, daher auch ziemlich selten anzutreffen, wenn aber wahrscheinlicher bei sehr jungen, guten Schwestern, die recht bodenständig und gefestigt sowie humorvoll und beliebt sind.

[...]

Nur um ein paar zu nennen.

Fazit: Am besten rennt man bei dem kleinsten Anzeichen eines Missgeschicks auf der Stelle vor die Tür und raucht sich erstmal eine. Dann täuscht man ein wichtiges Telefongespräch vor und lässt sehenden Auges den beherzten Kollegen in das Nest der “tarantula soror medicinae” tapsen.

</Sartiremodus>
(Nachwort:
Natürlich sollen meine scharfsinnigen Beobachtungen und subjektiven Unterteilungen einzig und allein der Unterhaltung dienen und zum Denkanstoß anregen. Es liegt mir äußerst fern, irgendjemanden bzw. aufgeführte Berufsgruppen zu diskriminieren oder persönlich anzugreifen. Wenn dies trotzdem jemand so empfindet,  appelliere ich an humorvolle Oberflächlichkeit, Selbstironie und die Chance, den moralischen Zeigefinger mal wegzustecken und über sich selbst zu lachen.)