Die späten Erfolge..

Veröffentlicht: September 13, 2011 in Rettungsdienst
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Gestern habe ich unerwartet eine wirklich erfreuliche Überraschung erlebt:

Wir kamen im KTW mit einen Patienten nach einem urologischen Missgeschick ( ich glaub jeder kennt diese Einsätze, der schonmal Nacht oder Wochenende KTW gefahren ist); das heißt, Katheter un/beabsichtigt gezogen. Weil das Altenpflegepersonal keine Neuanlage eines Katheters von Seiten der Einrichtungsleitung nicht darf- trotz Examinierung!- und die Hausärzte nicht mehr in die Heime kommen wollen, fahren wir nun einmal hin zum Urologen in die Klinik, und wieder zurück. Sehr entspannte Fahrten, aber auf die Dauer echt ein Graus.

Nach fast unverschämt langer Wartezeit kam der sichtlich schläfrige Urologe hineingeschlürft und fragte in einem sehr leisen Ton „..das Übliche?“. Wir bejahten dies und fuhren den Patienten in den Patientenraum. Nach getaner Behandlung und Erledigung der Formatlitäten fuhren wir wieder runter. Mein Kollege besorgte derweil einen Transportschein und benachrichtigte nochmal zur Sicherheit die Leitstelle über den Rücktransport.

Auf dem Weg zur Liegendeinfahrt dann bin ich total erstaunt an einem doch noch bekannten Gesicht entlang gegangen: Eine über 80jährige Patientin hielt, im Rollstuhl sitzend, vor den drei Aufzügen. Jene Patientin kam notfallmäßig mit (recht sicherem Verdacht auf) Oberschenkelhals- Fraktur in ebendieses Krankenhaus. Aufgrund der großen Schmerzen während des gesamten Einsatzgeschehens, erfrug ich im Nachhinein die darauffolgende Therapie und den derzeitigen Zustand der Patientin. Mir wurde bei meinem fast „stasihaften“ Stalken weiß gemacht, dass die Patientin offentischtlich postoperativ verstorben sei.

Die atemberaubende Überraschung:  Frau K. sitzt nun seelenruhig und anscheinend gut genesend in ihrem Rollstuhl. Als ich so gedankenverloren an ihr vorbeiging und dachte: „Das Gesicht kennst du doch irgendwoher…“ fing Frau K. schon langsam, aber immer herzlicher an zu Grinsen. Ich blieb stehen und wagte einfach mal nachzufragen. Sie schien wirklich erfreut, als ich meine Vermutung schilderte und sie alles abnickte. Ich war begeistert, konfrontierte sie mit all meinen Fragen, die mir noch am Herzen lagen. Sie schien nicht überfordert. Ein wenig angestrengt, aber ihre Freunde mahnte sie keine meiner Fragen unbeantwortet zu lassen, so schien es. Rückblickend gesehen war das natürlich nicht die nette, umsichtige Art, aber zu dem Zeitpunkt hat man einfach ein großes Glücksgefühl, welches einen erfüllt.

Wenn man nach einem Einsatz, der einen noch länger beschäftigt, versucht durch wildes Rumtelefonieren und Einholen von Informationen, schließlich einsehen muss, dass der/die  Patient/in verstorben ist und man dann durch einen Zufall jene/n Pat. nahezu putzmunter im Krankenhaus antrifft, erfährt einen dann ein unbeschreibliches Gefühl.

Nachdem wir uns verabschiedeten, fuhr ich mit meinem Patienten, der inzwischen wieder recht wach aussah und aufmerksam unserem Gespräch gelauscht hatte, zum Wagen, lug ihn ein und setzte mich rein. Mein Kollege saß schon auf dem Fahrersitz und fragte, warum ich grinse. Ich fasste das Gespräch mit Frau K. kurz zusammen und konnte auch auf dem Gesicht meines Fahrer (he ;)) zaubern, der bei dem Einsatz zur Tragehilfe erschien.Wir brachten den urolog. Patienten wieder auf sein Zimmer und beendeten fröhlich den Einsatz. Auf der Rückfahrt diskutierten wir, wie wertvoll diese Momente sind, wie sie einen an den Grund erinnern, warum man im Rettungsdienst arbeitet und sie einen wieder mit Motivation füllen, die keine Gehaltserhöhung, Beförderung o. Ä. ersetzen könnten. (Denn unerwartete Bestätigungen halten einen immer wieder vor Augen, dass der Beruf und das Handeln nicht unnütz war.)

 

Auf das euch, die im RD arbeiten, auch solche Momente in nächster Zeit widerfahren!

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