Brennpunkt – Übergabe?!

Veröffentlicht: September 7, 2011 in Rettungsdienst
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Vor kurzem musste ich mal wieder erleben, wie unterschiedlich die Wertschätzung einer Übergabe ist. Folgendes:

Auf der Rückfahrt einer befreundeten Wache vom gemütlichen Pläuschen mussten wir schon wieder ran. Wir wurden gerufen und uns wurden die Daten durchgegeben, die unter anderem „VU mit Kradfahrer“ enthielten. Mit Sondersignal machten wir uns schnellstmöglich auf den Weg. Als wir angekommen waren, sahen wir schon unsere nächsten Schritte vor dem inneren Auge abspielen, denn die Meldung schien diesmal haargenau zu passen. Ein Kradfahrer wurde von einem Mittelklasse-Wagen bei einem Überholvorgang erwischt.

Nach dem üblichen Prozedere und dem zügigen Anfahren eines naheliegenden Maximalversorgers fanden wir uns kurz darauf mit unserem Patienten in der Liegendeinfahrt wieder. Schnellen Schrittes eilten wir auf das schon bereitstehende Team des Notaufnahmepersonal zu und folgten ihnen den bekannten Weg in den ersten Schockraum.

Während wir dann behutsam umlagerten, fing mein Kollege an eine Übergabe zu machen.Und ab dem Zeitpunkt fiel mir auf, dass ihm überhaupt keiner zuhörte. Jetzt könnte der gemeine Skeptiker sagen: „Ok, Moment mal, beim Umlagern ist Vorsicht geboten und möglicherweise konnte sich deshalb in dem Augenblick keiner auf eine Übergabe konzentrieren.“ Gut. Das muss man der Stelle auch gelten lassen. So packten wir langsam zusammen und versuchten unseren Kram zentral auf der Trage zu sammeln, als mein Kollege sodann einen erneuten Versuch startete. Ich beobachtete aber nicht weniger scharfsinnig die Nicht-Reaktion bzw. Abwesenheit der Aufnahmeschwestern und Ärzte, die sich wieder keineswegs für ein paar Werte oder interessante Erkenntnisse zu interessieren schienen, als mein Kol. einen zweiten Versuch unternahm. Ich flüsterte ihm leise zu, dass er wohl ein wenig lauter sprechen, um hier mal Gehör zu finden. Aber auch das half anscheinend nichts. Er kam nach ungefähr zehn Minuten wieder (-ich hatte schonmal ein bisschen Chaosbewältigung betrieben-) und ihm war der Ärger über soviel Ignoranz und Fahrlässigkeit im Gesicht abzulesen. Mit einem Anflug eines Lächelns fragte ich, ob noch eine vernünftige Übergabe loswerden konnte. Wie geahnt, waren alle viel zu beschäftigt und überlastet, dass einfach niemand verfügbar war. Irgendwann hat er eine Schwester bestimmend zur Seite genommen, alles Wichtige runtergerattert, etwaige Fragen beantwortet und ihr eine Kopie in die Hand gedrückt.

Auf der Rückfahrt mussten wir erst einmal diskutieren, was das jetzt genau war?! Hatten wir irgendwas an uns oder gibt es eine geheime Dienstanweisung in jenem Krankenhaus, die verbietet, jedwede Übergabe abzulehnen? Sahen wir zu inkompetent aus oder sahen uns nicht in der Lage wiederverwertbare Ergebnisse wiederzugeben?

Nach Hin und Her kamen wir zu dem Schluss: Vielleicht sind wir aber auch nur zu verwöhnt und versteift. Gewohnt waren wir bis jetzt immer, dass wir eine solide Übergabe vom Krankehauspersonal, z.B. bei Krankentransporten, bekamen und wir im Gegenzug genauso eine Übergabe an die Pflegeeinrichtung o.Ä.  unternahmen. Geradezu selbstverständlich ist jedoch schon immer eine Übergabe vom Rettungsdienst an die Klinik bei Notfallgeschehen. Wir pochen immerzu wie die annehmenden Schwestern, Assistenten, Ärzte usw. auf eine ordentliche Übergabe. Ohne Übergabe keine Übernahme, quasi.

Bei genauerem Hinsehen wird einem auch sehr schnell sehr deutlich wie unverzichtbar dieses Vorgehen ist. Denn normalerweise ist die Übergabe ein elementar wichtiges Glied in der Kette einer optimalen Patientenversorgung. Wie dann über sie so einfach hinweg zu sehen ist, kann ich mir nicht wirklich erklären. Streng genommen ist solch ein Verhalten nicht nur fahrlässig (weil intiale Werte, Vorerkrankungen, regelm. Medikationen, Allergien! usw. des öfteren mal äußerst wichtig sind), sondern auch respektlos und unverschämt dem Rettungsdienst gegenüber, da die Verantwortung für den Patienten mit vollständiger Übergabe erst komplett an die Klinik abgegeben wird. Wer sich nicht nach einer Übergabe erkundigt oder eine erbittet, macht dadurch eher einen unprofessionellen und unerfahrenen Eindruck.

Ich weiß natürlich nicht, ob der Stellenwert von Region zu Region unterschiedlich ist. Jedenfalls kann ich aus Erfahrung, dass unsere Auffassung gemein ist mit dem Rettungsdienst in einem Umkreis von 30km.

Ob der Patient ohne Folgeschäden überlebt hat, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Prognosen sahen recht gut aus, aber man weiß ja nie recht. Mal schauen, ob die Tage Gewissheit einzuholen ist. Natürlich unterstell‘ ich damit jetzt nicht, dass ein positiveres Outcome bei angenommener Übergabe zu erwarten gewesen wäre. Das wollte ich nochmal klarstellen. In welchem Verhältnis die zu einander stehen, sollen Experten entscheiden. Bei Änderungen oder Komplikationen im normalerweise eingespielten Ablauf (bei bestimmten Krankheitsbildern) kommen halt zwangsläufig immer Gedanken über den Zustand des Patienten ins Spiel, wenn man das zur Verteidigung anführen darf . 😛

Vielleicht waren wir aber auch einfach nur Störenfriede der nächtliche Ruhe oder haben mittlerweile einen schlechten Ruf in jenem Krankenhaus, oder oder… Ich werd‘ mich demnächst mal umhören, wie sich das in Zukunft gestaltet.

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Wie zig tausend andere junge Leute wurde auch ich kurz nach der 12. von einem sehr netten Schreiben des Kreiswehrersatzamtes belästigt und musste mich so langsam mal mit der Entscheidung Bund oder Zivi beschäftigen.

Schnell war jedoch klar: Zivi!

Da ja bekanntlich der Zivildienst nur noch neun Monate dauert, werden keine Ausbildungen oder vorhersehbaren Verzögerungen mehr akzepiert, da sonst der „Nutzen“ am Zivi nur gering wäre, und womöglich auch noch Kosten produzieren könnte. -.-

Also wird einem als Anwärter im Zivildienst eine andere Möglichkeit unterbreitet, ein freiwilliges soziales Jahr, kurz: FSJ. In diesem Modell verpflichtet man sich dann 12 Monate (Wer hätt’s gedacht 😉 ) einer gemeinnützigen Organisation auszuhelfen. Aber auch die alternative Version des Zivildienstes wird vollwertig anerkannt, bzw. ist ziemlich förderlich bei späteren Ausbildungsplatz- oder Studienplatzbewerbungen. Aufgrund der 3 Monate, die man dadurch dann mehr zur Verfügung hat, lassen sich dann auch branchenspezifische Ausbildungen einfügen. So zum Beispiel eine rettungsdienstliche Ausbildung, wenn man vorhat in die Sparte „Rettungsdienst“ mal reinzuschnuppern, um dann später in der Branche auch eingesetzt werden zu können. Nach der erfolgreich absolvierten Ausbildung wird man dann sofort eingsetzt und übt dann quasi höherwertige Zivi- Aufgaben aus, bei welchem man durchaus Verantwortung und Pflichtbewusstsein beweisen muss.

Mit der Zeit wächst man auch langsam in das alltägliche Geschehen rein. Kollegialitäten und Freundschaften beginnen zu entstehen. Man lernt die familiäre Atmosphäre einer Wache kennen. Aus Fehlern wird dann kein Hehl mehr gemacht, aber es folgt auch kein Donnerwetter. So erlebt man unmittelbar das Gefühl eines typischen Arbeitnehmers. Langeweile lässt sich aufgrund routinierter Vorgänge nicht vermeiden, Mini- Revolutionen gegen Vorgesetzte flammen bei jeder noch so kleinen Änderung auf. Und im FSJ bist du, nach eisernem Integrationswillen wohlgemerkt, ein Teil des Ganzen. Das sollte jetzt keine unterschwellige Werbung für ein FSJ im Rettungsdienst sein. Ich wollte nur kurzum einer der mir am positivsten im Gedächtnis verbliebenen  Ereignisse wiedergeben, was mir am meisten gefallen hat an meiner Wache und weswegen mein FSJ auch sehr eindrucksvoll war.

Wer also noch überlegt, ob Rettungsdienst ein Beruf ist, in dem man sich nicht nur gut vorstellen kann, dort zu arbeiten, sondern auch mal hautnah erleben will, ob er/ sie überhaupt dafür geeignet ist, der könnte sich über ein freiwilliges Jahr im Rettungsdienst oder Krankentransport Gedanken machen. Schlußendlich kann man nur als Gewinner gehen: Entweder sagt einem der Job auch im Alltag zu und man baut auf der vorhandenen Ausbildung auf (und hat schon bisschen Erfahrung) oder man muss passen, kann aber gelegentlich mal fahren oder vergütet bei anderen Organisationen nur im Krankentransport (qualifiziert/unqualifiziert selbst überlassen). Es stehen einem dann zwangsläufig mehr Wege offen, als vorher. 😉

In diesem Sinn,

Rtw ftw?! (oder nicht?)

Kürzlich bin ich auf eine äußerst erschreckende Nachricht gestoßen:

Die vollständigen Vermarktungsrechte an Arno Dübel, Deutschlands renitensten Arbeitsunwilligen, gingen in dem weltweit größten Auktionshaus für schlappe 30.050 € über den virtuellen Ladentisch!

Mit inbegriffen waren diverse Internetdomains, ein Facebook- und Twitteraccount sowie die Rechte an der eingetragenen Marke und diverse ungesendete Szenen. Der Song „Ich bin doch so lieb“, gesungen von A. Dübel, war im Kaufpreis nicht mit enthalten.

Grund der Aufgabe seitens des Managementes war laut der Versteigerungsplatform eigener Zeitmangel.

Nun hat also Marke A. Dübel einen anderen Eigentümer. Mal sehen was wir dann noch so erstaunliches zu erwarten haben. Gebannt werde ich selbstverständlich die (Irr-) Wege des bekanntesten Arbeitlosen verfolgen und diesen post auf dem neusten Stand halten. Hoffentlich wird die Fernsehkarriere Dübels einen boost erleben, sodass mehr Material die deutschen Fernsehsender überschwemmen wird – unaufhaltsam-, außer, es gibt wieder einen erneuten Verkauf der Rechte. Dann bin ich aber auch vorne mit dabei und biete mit der Vermarktungselite gemeinsam, um die heißt begehrten dübel-copyrights. Schauen wir mal.

Ich bleib‘ dran. Ihr aber auch! 😉

Meine 1. Reanimation

Veröffentlicht: August 25, 2011 in Rettungsdienst
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Gehört ja schon fast zum guten Ton, in der Kategorie Rettungsdienst, die erste Reanimation zu schildern. Also erzähl ich mal:

Ich wurde zum ersten Mal im Praktikum zum RS mit solch schwierigen Situationen konfrontiert. Wir hatten damals ein rotierendes System, das heißt, dass alle Mitarbeiter möglichst die selben Bereitschaftsstunden auf den 3 Wachen abwechselnd ableisten müssen. Es wird gemeinhin von einer Stadtwache, einer Landwache mit relativ hohem Arbeitsaufkommen und zuletzt einer sogenannten Dornröschen-Wache gesprochen. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Freude natürlich bei Diensten an der Dornröschen-Wache am größten. 😉

Ich hatte an besagtem Tag ebenfalls mit meinen freundlichen Kollegen 24-Stundendienst auf der Dornröschen-Wache. Im Voraus sagte man mir im Vertrauen, dass ich ruhig genug zu lesen, andere Schreibtischarbeit oder einen Laptop mit nehmen sollte, da es in letzter Zeit wenige bis gar keine Einsätze gab und sonst auch keine Aufräum- oder Reinigungsarbeiten zu verrichten seien. Also kam ich dann früh morgens  (ich glaub es war ein Donnerstag) in der einen Hand mit meinen Rettungsdienstklamotten, in der anderen mit sämtlichen Mitteln zum (in!)effektiven Zeitvertreib bepackt, hoch in unsere Wachräume. Meine Kollegen schleppten sich schon umgezogen, aber mit deutlich müden Gesichtzügen von einem Punkt zum anderen bis sie beiden dem typischen Klischee-Retter morgens um halb sieben entsprachen: Kanne Kaffee mit gefülltem Pot vor der Nase, neuste Ausgabe einer heimatlichen Zeitung oder einer Fachzeitschrift in der Hand und vor ihnen ein ziemlich üppig ausgestatteter Frühstückstisch. (Normalerweise frühstückt die Vorschicht noch mit der Nachschicht bei kollegialem Austausch usw., aber heute hatten beide Kollegen von der Vorschicht Terminen nachzukommen)

So gingen wir dann gemeinsam runter in die Fahrzeughalle, vorbei an unzähligen Fahrzeugen und Geräten der mitansässigen freiwilligen Feuerwehr, bis wir zuletzt auf unser Gefährt (natürlich in der letzten Halle..) stießen. Es war ein Ersatz-RTW vom Kreis, ein fast nagelneuer MercedesBenz Sprinter. Majestätisch sah dieses Fahrzeug aus, in den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Hallenfenster fielen, so frisch gewaschen ohne Kratzer auf sauberem Hallenboden. So ging es auch meinen Kollegen, die jedoch zugleich nicht mehr aus dem Staunen herauskamen. Ist halt sonst sehr selten bis nie anzutreffen, so’n strahlender RTW. So machten wir uns dann langsam auch mal ans Checken der viel wichtigeren Inneneinrichtung. Faszinierend sind die gut durchdachten kleinen Details, die das Arbeiten auf dem RTW zu einem Genuss machen sollen. So sind neuste Komponente für den Schwebetisch, abnehmbare und sicher arretierbare Sauerstoffbedienelemente, alternative O²- und EKG-Ableitungskabel verbaut und so weiter. Natürlich könnte ich jetzt noch den allerneusten Stand der medizinischen Geräte und ihr einwandfreier Zustand erwähnen, aber ist dann ja schon fast obligatorisch, nicht? Nachdem den Erwartungen entsprechend auch bei der Bestückung keine Mängel aufgefallen sind, machten wir uns nun wieder auf dem Weg zum Wachraum, frühstücken. Dies war dann auch sehr ausgiebig (schließlich mussten die Brötchen für die Vorschicht auch gegessen werden) und reichte zum völligen Völlegefühl. Nach dem Frühstück fläzt sich der gemeine Retter üblicherweise auf die Couch oder versucht ein bisschen zu schlafen, da das Wetter zu kalt für außerhäusliche Aktivitäten war. Dies wurde auch sofort umgesetzt, wohingegen ich mich noch ein bisschen für die Prüfungen vorbereiten wollte.

Nach ungefähr 4-5 Stunden (Zeitgefühl ist dort nicht gegeben, man orientiert sich eher nach Helligkeit :D) warf einer meiner Kollegen ein, dass wir noch Mittagsessen holen müssten und gewann damit gleich allgemeine Zustimmung. Also begaben wir uns ins Fahrzeug und fuhren zum nahegelegenen Edeka. Doch dann, ungefähr auf Hälfte des Fahrweges, kam ein Funkspruch rein: 7-83-01 für Florian XXX! Unser Beifahrer aus dem Trott gerissen, griff nach dem Hörer und gab Rückmeldung: 7-83-01 hört! Die Leitstelle kam nun mit der beunruhigenden Nachricht: Ja, 7-83-01 für sie einmal in die Borgenfelstr. 13, bei Schumann, männlich, vermutlich Reanimation! Auf der Stelle schaltete der Fahrer die Sondersignalanlage ein, während der Beifahrer die Daten ins Protokoll übertrug. Die Anfahrt dauerte keine 6 Minuten und wir eilten mit großer Diagnostik (EKG,O², Absaugung) zum Haus, wo uns die besorgte Frau ins Schlafzimmer zu ihrem unter Schmerzen stöhnenden Mann führte. Da ich noch nicht den Ablauf in der Realität kannte, habe ich erst einmal beobachtet. Nach kurzer Zeit übertrug man mir die Aufgabe, dem Patienten Sauerstoff über Maske zu geben. Dies tat ich wie befohlen und drehte den Flow wie indiziert auf. Jedoch mussten wir nach kurzer Zeit erkennen, dass die kleine O²-Flasche gleich zur Neige geht. (Wer hat die denn gecheckt?) Unser Fahrer rannte runter und holte die Ersatzflasche. In der Hektik nahm ich die Aufgabe des Wechseln nicht wahr und fragte einen meiner Kollegen, der das dann auch, aber eher unerfreut, machte. Als alles angebracht war, ein EKG ausgespuckt wurde und alle nach punktierbaren Venen suchten, kam auch schon die Notärztin herein. Sie erfragte kurz die Vorgeschichte, die derzeitige Medikation und den Hergang ab, während sie eine Vene traf und langsam Ass verabreichte. Das Einladen ging dann auch sehr schnell und unkompliziert. Auf dem Weg zum geeigneten Krankenhaus jedoch, hörten wir in der Fahrerkabine unseren Kollegen, der laut „Anhalten!“ rief. Ohne zu Zögern steuerte der Fahrer eine Haltebucht an und wir gingen mit dem NEF-Fahrer nach hinten. Dort herrschte Hektik, denn der Patient hatte nur noch sehr schwachen Puls. Alles andere wurde für die Rea vorbereitet und die Notärztin beurteilte nochmal den EKG-Streifen. Dann plötzlich hieß es: „Drücken!“. Und dann war ich dran. Ich hatte mich klugerweise genau rechts am Eingang, neben den Patienten gestellt, sodass die anderen nicht mehr beikamen. Also musste ich jetzt HDM durchführen. Was zuerst echt abschreckend und angsteinflößend ist, entwickelte sich schnell zu einem Rhythmus und hatte zum ersten Mal das Gefühl „vom Arbeiten und nicht über die Diagnose des Patienten nachdenken“. Nach 5-6 Minuten wurde ich von meinem Kollegen abgelöst. Die Notärztin hatte währenddessen schon die v. jugularis ext. punktiert und die restlichen Rea-Medikamente eingespült. Ein Eigenpuls war noch nicht vorhanden und auch das EKG sah alles andere als gesund aus. Nach kurzer Zeit und höheren Dosen war dann aber doch Erfolg zu verzeichnen, als wieder ein Puls zu ertasten war. Regelmäßig, aber schwach. Egal, die Zeit musste genutzt werden. Schnell zum Krankenhaus. Durch den Verkehr gedrückt und fix am Zielkrankenhaus. Der Zustand verschlechterte sich wieder zunehmens und wir legten auf dem Weg zum vorangemeldeten Intensivbett einen Schritt zu. Unfreundlich, aber (meist) professionell wurden wir dann auch von den Intensivdrachen der Station empfangen. Kurze, laute Anweisungen und wildes Rumgefluche weiste uns den angestrebten Raum. Alle standen schon bereit, als beim Umlagern der diensthabende Intensivarzt verkündete: „Herzstillstand!“. Diesmal waren es aber nicht wir, die drücken musste und so sammelten wir unsere Gerätschaften ein, bedankten uns gegenseitig für den reibungslosen Ablauf bei der Notärztin und schlenderten geschafft zum RTW. Der sah, wie so üblich nach „post-rea“, wie ein Schlachtfeld aus. Während meine Kollegen noch mit dem NEF-Fahrer quatschten und Papierkram erledigten, räumte ich langsam alles wieder auf und säuberte grob alle schmutzigen Flächen. Wenn man das so beobachtet, überall Blutspritzer, Tonnen an Verbrauchmaterial und Diagnostik, setzt man sich erst dann wirklich mit der eigentlichen Situation auseinander. Soweit war alles wieder provisorisch bereit, auf zu einem FastFood-Restaurant oder Schnellimbiss. Mit heißer Ware unterm Arm betraten wir dann wieder die Wache, ca. 2,5 Stunden hat der Einsatz mit Reinigen und Aufrüsten gedauert. Ein durchschnittlicher Wert.                               Beim Essen sprachen meine Kollegen mit mir den Ablauf nochmal durch. Wo kann ich was verbessern, was war gut. Wie siehst du den Einsatz. Lob/Kritik wurden ausgetauscht und mir wurden zuletzt Tipps gegeben, wo ich adäquate Hilfe finde, wenn ein Einsatz sich eben doch nicht so leicht abhaken lässt. Ich fragte nochmal das ein oder andere genauer nach und es entwickelte sich ein langes Gespräch über 1. Reanimation bei den Kollegen, belastendensten Fälle und viele andere Themen. An sich also ein sehr einschneidendes Erlebnis im Rettungsdienst.

An dieser Stelle kann ich das, in aller Ernsthaftigkeit, nur jedem ans Herz legen sich Hilfe zu holen und nicht aus falsche Scheu oder aus Scham an einem Einsatz selbst zugrunde zu gehen. Abschreckende Beispiele gibt es genug, doch wird die Tätigkeit mit jedem Einsatz weniger belastend. Meist kann aber auch ein Gespräch im Vertrauen mit Kollegen Wunder bewirken, nur bloß nicht allein zu Hause über eigene Fehler, Überlebenschancen oder Sinn des Lebens (so lustig es auch klingen mag) philosophieren!

Die folgende Nacht war dann, bis auf einen kleineren Einsatz, ruhig und so wurden wir den nächsten Morgen von unseren Kollegen der Nachschicht mit Brötchen unter’m Arm zum Frühstück gerufen.

Eine geradezu erschütternde Nachricht erreichte mich in Windeseile: 

Die Hackergruppe „anonymous“ hat die offizielle Internetpräsenz der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) gehackt!

Nach einem scheinbar erbitterten Kampf zwischen Gema und anonymous, der das Weiterleiten auf eine Fakeseite von anonymous und daraufhin das Vom-Netz-nehmen der Seite von Seiten der Gema zur Folge hatte, entschloss sich das angegriffene Unternehmen dafür, die Seite vollständig offline zu nehmen.

Weitergeleitet wurde auf eine Fakeseite mit folgendem Inhalt:

„Leider ist diese Seite (nicht nur) in Deutschland nicht verfügbar, da sie auf ein Unternehmen verweisen könnte, für das Anonymous die erforderlichen Freiheitsrechte nicht einräumt. Das tut uns leid. Nicht!“

Offensichtlich eine Anspielung auf die vielen Youtube- Videos, die in Deutschland aufgrund geltender GEMA-Bestimmungen nicht abspielbar sind. Musikalisch wurde die Fakeseite mit der Abspannmusik „Still alive“ (gesungen von Chell) des Computerspiels Portal untermalt.

 

Weiterhin kursiert das Gerücht, die Hackergruppe „anonymous“ sei wieter auf dem Vormarsch und visiert die social network- Seite „facebook“ an. Am 9. November, so die einhellige Meinung diverser Medien, soll der vermeintlich zerstörerische Angriff auf facebook starten. Näheres ist noch nicht bekannt beziehungsweise rein spekulativ.

Sauber bleiben und immer schön GEMA- Gebühren zahlen! Nicht!  ( ^.^)

Dies ist mein heimliches Tribut an die armen, gequälten Leitstellendisponenten.

Bei all dem Gefluche und Geschimpfe über die Unfähigkeit und Unzulänglichkeit einiger Leidensstellendisponenten, muss man nun auch mal (ein bisschen) was gutes erwähnen: Wer sich schon mal ein paar Minuten mit einem LSTD an den Tisch gesetzt und beobachtet hat, wie der normale Alltag eines solchen ist, wird sich langsam, aber sicher eingestehen müssen, dass dieser Job eben doch nicht so leicht ist, wie manche RD-Mitarbeiter ihn beschreiben. Als ich die Ehre hatte mit einem eigentlich immer sehr gut gelaunten und freundlichen LSTD an einem Pult zu sitzen und ich alle möglichen Funktionen, Möglichkeiten, Kompetenzen, aber auch Pflichten ausführlich erklärt bekommen habe, kam in mir schon ein leichtes Schwindelgefühl auf, wenn man sich die Verantwortung einmal genau vor Augen hält. Sicherlich ist die Verantwortung auf einem Rtw auch hoch, aber eben (meist hehe) nur für einen Menschen gleichzeitig. Wollte man die tatsächliche Verantwortung eines LSTD bemessen, so wäre die potentielle ein Vielfaches und die tatsächliche nur kurzzeitig hoch. 😉

Als mir das auch ungefähr so erklärt wurde, musste ich jedoch blitzschnell einhaken: Wenn man jeden Einsatz nach einem bestimmten Algorithmus bearbeitet, (so wie es die Richtlinien im RD ja auch vorschreiben) wie kann man es denn dann schaffen, für vieles potentiell verantwortlich zu sein? Ich mein, wenn der LSTD am Telefon heraushört „Oh, ..ein Feuer..2 Personenhaushalt..Straße  in 1. Etage ..geringe Rauchentwicklung.. usw.“ dann fügt er das in einem Einsatz ein und guckt, was der Computer ihm vorschlägt. Dass eine Drehleiter für die 1. Etage nicht unbedingt erforderlich ist, müsste für den LSTD ja unschwer zu erkennen sein. Also LF raus mit 2 Rtw (grob, müsste’s das sein). Sobald dann die Fahrzeuge alarmiert sind, liegt ja in dem Augenblick die gesamte Verantwortung auf den alarmierten FZ und Rettungskräften. Wie schon seit Urzeiten jedem Anfänger kolportiert wird: „Rettungsdienst heißt Verantwortung abschieben!“ Vielleicht habe ich seine Grundidee nicht ganz verstanden oder missverstanden, jedoch geht mir da kein Licht auf (selbst bei Großschadenslagen dürfte keine Verantwortung mehr haften bleiben, wenn man nach Algorithmus arbeitet!!). Wenn ich nochmal die Gelegenheit habe, werde ich nochmal graben müssen… 😉

Nichtsdestotrotz war der Besuch äußerst interessant, mal Einsätze aus der anderen Perspektive zu sehen. Dann fällt es einem auch leichter bei der nächsten Fehl- oder Missdisponierung ein Auge zuzudrücken, gerade, wenn (oder eben weil :P) man mal an einigen der vielen Knöpfe rumdrücken darf. Nur Sirenenalarm ist irgendwie nicht so beliebt.. Intolerant! 😀 😛

Also besucht doch mal eure lieben Anweiser und fördert den konstruktiven Austausch. Dann werdet ihr euch erwischen, wie ihr nicht mehr über unsinnige Einsatzstichworte, fehldisponierte Rettungsmittel oder einfach über renitente Ignoranz am Funk cholerisch im Dreieck springt.

In diesem Sinna,

Status 6!

In den letzten Tagen ist mir immer wieder ein Thema unter gekommen:

Viele Mitarbeiter haben einfach keine Lust mehr Krankentransport zu fahren. 

Nun stellt sich mir die Frage, ob sie nun alle eine falsche Berufswahl getroffen haben oder es allgemeine Unlust ist? Versuchen wa mal, das differenzierter zu sehen.

Offensichtlich ist doch, dass das meiste Geld mit Krankentransporten (in unserer Umgebung überdurchschnittlich hoch) eingefahren wird und es dringend vonnöten ist, die steigenden Zahlen an Krankentransporten anzugehen. Wenn man sich am Markt behaupten will und auch die Möglichkeiten hat ( mehr als 3 zur Verfügung stehende Ktw!), muss man doch schon fast jeden angefragten Krankentransport annehmen. Nicht nur dass es leicht verdientes Geld ist und die Ktw amortisieren bzw. wieder Geld für neue Rtw reinkommt, nein, auf die Dauer werden die Krankentransporte von vielen kleinen Unternehmen durchgeführt. Eine stattliche Menge Geld geht dadurch dauerhaft verloren und man wird langsam aber sicher vom Markt verdrängt. Wo doch jeder weiß, wie mühselig es ist, in der Branche Fuß zu fassen und sich als ebenbürtiger Partner zu etablieren. Ich erinnere nur mal an die ewigen Konflikte mit der Feuerwehr, die in manchen Städten/ Kreisen die gesamte Notfallrettung beansprucht hat bzw. immernoch unter feuerwehrlicher Obhut steht.

Ebenso ein anderer Punkt, der zwar nicht direkt Sorge der Arbeitnehmer sein sollte, aber in weiser Voraussicht auch mal zu berücksichtigen ist: Wenn das durch vorwiegend KT verdiente Geld auf einmal stark zurückgeht bzw. irgendwann einmal ausfällt, muss sich der Arbeitgeber andere Quellen suchen, um das Leck schnellstmöglich zu schließen. Das heißt dann zwangsläufig entweder andere Arbeitsstellen, Mehrarbeit auf zusätzlich eingesetzte Rtw, vielleicht Sanitätsdienste oder andere mögliche, branchennahe Einsatzgebiete (Fernfahrten, Rückholdienst; je nachdem wie’s geregelt ist) ODER (wenn eben keine alternativen Geldquellen aufzutun sind bzw. nicht ausreichen) Streichungen von Sonderzahlungen oder Zeitarbeitszuschlägen oder sogar betriebsbedingte Kündigungen usw.. Sicherlich kann man kurzzeitige Flauten immer mit 400€-Kräften oder Ehrenamtlern ausgleichen, oder man stellt RAiPler ein, aber das sind keine langfristigen Lösungen!

Wiederum kann ich es verstehen, dass manche Rettungsassistenten abgeneigt sind, Krankentransporte zu fahren, da sie ja schließlich vorwiegend für den Rtw die Ausbildung gemacht haben; aber das verdiente Geld ist doch das gleiche. Die RH und RS wirken ja schon so entlastend, dass zumindest der Tagarbeitsdienst auf den Ktw in der Woche ausschließlich von RH/RS besetzt wird! Zwangsläufig müssen dann die Nächte und Wochenenden von den RA mit besetzt werden. (Bei uns so geregelt.)

UND: Wenn bei allen Mitarbeitern nach langer Frickelei endlich die Rtw-Stunden auf dem Dienstplan überwiegen, wird wieder fröhlich getauscht/abgegeben oder Urlaub beantragt, sodass dann wieder einige nicht besetzte Dienste auftauchen. Und, um die besetzen zu können, wird dann das Ehrenamt wohl rangezogen werden müssen.                                             Also entsteht dann wieder Frust, dass Ehrenamtler Rtw fahren, obwohl das doch den Hauptamtlichen vorbehalten werden sollte, nur erkennen die dann nicht, dass das Problem hausgemacht ist.

Wünschenswert wäre, insgesamt mehr Verständnis von den hauptamtl. RA zu ernten, was wohl nach dem kleinen Überblick auch nicht schwer fallen dürfte. Nachvollziehbar sind die vorherrschenden Probleme, doch sieht man auch sehr deutlich, dass stetig daran gearbeitet wird. (Im Regelfall.. heheh) Wenn nicht, weiter nörgeln und meckern, bis sich was tut.

In diesem Sinnä, mal angenehme Dienste! 😛