Mit ‘Erlebnis’ getaggte Beiträge

Gestern habe ich unerwartet eine wirklich erfreuliche Überraschung erlebt:

Wir kamen im KTW mit einen Patienten nach einem urologischen Missgeschick ( ich glaub jeder kennt diese Einsätze, der schonmal Nacht oder Wochenende KTW gefahren ist); das heißt, Katheter un/beabsichtigt gezogen. Weil das Altenpflegepersonal keine Neuanlage eines Katheters von Seiten der Einrichtungsleitung nicht darf- trotz Examinierung!- und die Hausärzte nicht mehr in die Heime kommen wollen, fahren wir nun einmal hin zum Urologen in die Klinik, und wieder zurück. Sehr entspannte Fahrten, aber auf die Dauer echt ein Graus.

Nach fast unverschämt langer Wartezeit kam der sichtlich schläfrige Urologe hineingeschlürft und fragte in einem sehr leisen Ton „..das Übliche?“. Wir bejahten dies und fuhren den Patienten in den Patientenraum. Nach getaner Behandlung und Erledigung der Formatlitäten fuhren wir wieder runter. Mein Kollege besorgte derweil einen Transportschein und benachrichtigte nochmal zur Sicherheit die Leitstelle über den Rücktransport.

Auf dem Weg zur Liegendeinfahrt dann bin ich total erstaunt an einem doch noch bekannten Gesicht entlang gegangen: Eine über 80jährige Patientin hielt, im Rollstuhl sitzend, vor den drei Aufzügen. Jene Patientin kam notfallmäßig mit (recht sicherem Verdacht auf) Oberschenkelhals- Fraktur in ebendieses Krankenhaus. Aufgrund der großen Schmerzen während des gesamten Einsatzgeschehens, erfrug ich im Nachhinein die darauffolgende Therapie und den derzeitigen Zustand der Patientin. Mir wurde bei meinem fast „stasihaften“ Stalken weiß gemacht, dass die Patientin offentischtlich postoperativ verstorben sei.

Die atemberaubende Überraschung:  Frau K. sitzt nun seelenruhig und anscheinend gut genesend in ihrem Rollstuhl. Als ich so gedankenverloren an ihr vorbeiging und dachte: „Das Gesicht kennst du doch irgendwoher…“ fing Frau K. schon langsam, aber immer herzlicher an zu Grinsen. Ich blieb stehen und wagte einfach mal nachzufragen. Sie schien wirklich erfreut, als ich meine Vermutung schilderte und sie alles abnickte. Ich war begeistert, konfrontierte sie mit all meinen Fragen, die mir noch am Herzen lagen. Sie schien nicht überfordert. Ein wenig angestrengt, aber ihre Freunde mahnte sie keine meiner Fragen unbeantwortet zu lassen, so schien es. Rückblickend gesehen war das natürlich nicht die nette, umsichtige Art, aber zu dem Zeitpunkt hat man einfach ein großes Glücksgefühl, welches einen erfüllt.

Wenn man nach einem Einsatz, der einen noch länger beschäftigt, versucht durch wildes Rumtelefonieren und Einholen von Informationen, schließlich einsehen muss, dass der/die  Patient/in verstorben ist und man dann durch einen Zufall jene/n Pat. nahezu putzmunter im Krankenhaus antrifft, erfährt einen dann ein unbeschreibliches Gefühl.

Nachdem wir uns verabschiedeten, fuhr ich mit meinem Patienten, der inzwischen wieder recht wach aussah und aufmerksam unserem Gespräch gelauscht hatte, zum Wagen, lug ihn ein und setzte mich rein. Mein Kollege saß schon auf dem Fahrersitz und fragte, warum ich grinse. Ich fasste das Gespräch mit Frau K. kurz zusammen und konnte auch auf dem Gesicht meines Fahrer (he ;)) zaubern, der bei dem Einsatz zur Tragehilfe erschien.Wir brachten den urolog. Patienten wieder auf sein Zimmer und beendeten fröhlich den Einsatz. Auf der Rückfahrt diskutierten wir, wie wertvoll diese Momente sind, wie sie einen an den Grund erinnern, warum man im Rettungsdienst arbeitet und sie einen wieder mit Motivation füllen, die keine Gehaltserhöhung, Beförderung o. Ä. ersetzen könnten. (Denn unerwartete Bestätigungen halten einen immer wieder vor Augen, dass der Beruf und das Handeln nicht unnütz war.)

 

Auf das euch, die im RD arbeiten, auch solche Momente in nächster Zeit widerfahren!

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Meine 1. Reanimation

Veröffentlicht: August 25, 2011 in Rettungsdienst
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Gehört ja schon fast zum guten Ton, in der Kategorie Rettungsdienst, die erste Reanimation zu schildern. Also erzähl ich mal:

Ich wurde zum ersten Mal im Praktikum zum RS mit solch schwierigen Situationen konfrontiert. Wir hatten damals ein rotierendes System, das heißt, dass alle Mitarbeiter möglichst die selben Bereitschaftsstunden auf den 3 Wachen abwechselnd ableisten müssen. Es wird gemeinhin von einer Stadtwache, einer Landwache mit relativ hohem Arbeitsaufkommen und zuletzt einer sogenannten Dornröschen-Wache gesprochen. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Freude natürlich bei Diensten an der Dornröschen-Wache am größten. 😉

Ich hatte an besagtem Tag ebenfalls mit meinen freundlichen Kollegen 24-Stundendienst auf der Dornröschen-Wache. Im Voraus sagte man mir im Vertrauen, dass ich ruhig genug zu lesen, andere Schreibtischarbeit oder einen Laptop mit nehmen sollte, da es in letzter Zeit wenige bis gar keine Einsätze gab und sonst auch keine Aufräum- oder Reinigungsarbeiten zu verrichten seien. Also kam ich dann früh morgens  (ich glaub es war ein Donnerstag) in der einen Hand mit meinen Rettungsdienstklamotten, in der anderen mit sämtlichen Mitteln zum (in!)effektiven Zeitvertreib bepackt, hoch in unsere Wachräume. Meine Kollegen schleppten sich schon umgezogen, aber mit deutlich müden Gesichtzügen von einem Punkt zum anderen bis sie beiden dem typischen Klischee-Retter morgens um halb sieben entsprachen: Kanne Kaffee mit gefülltem Pot vor der Nase, neuste Ausgabe einer heimatlichen Zeitung oder einer Fachzeitschrift in der Hand und vor ihnen ein ziemlich üppig ausgestatteter Frühstückstisch. (Normalerweise frühstückt die Vorschicht noch mit der Nachschicht bei kollegialem Austausch usw., aber heute hatten beide Kollegen von der Vorschicht Terminen nachzukommen)

So gingen wir dann gemeinsam runter in die Fahrzeughalle, vorbei an unzähligen Fahrzeugen und Geräten der mitansässigen freiwilligen Feuerwehr, bis wir zuletzt auf unser Gefährt (natürlich in der letzten Halle..) stießen. Es war ein Ersatz-RTW vom Kreis, ein fast nagelneuer MercedesBenz Sprinter. Majestätisch sah dieses Fahrzeug aus, in den ersten Sonnenstrahlen, die durch die Hallenfenster fielen, so frisch gewaschen ohne Kratzer auf sauberem Hallenboden. So ging es auch meinen Kollegen, die jedoch zugleich nicht mehr aus dem Staunen herauskamen. Ist halt sonst sehr selten bis nie anzutreffen, so’n strahlender RTW. So machten wir uns dann langsam auch mal ans Checken der viel wichtigeren Inneneinrichtung. Faszinierend sind die gut durchdachten kleinen Details, die das Arbeiten auf dem RTW zu einem Genuss machen sollen. So sind neuste Komponente für den Schwebetisch, abnehmbare und sicher arretierbare Sauerstoffbedienelemente, alternative O²- und EKG-Ableitungskabel verbaut und so weiter. Natürlich könnte ich jetzt noch den allerneusten Stand der medizinischen Geräte und ihr einwandfreier Zustand erwähnen, aber ist dann ja schon fast obligatorisch, nicht? Nachdem den Erwartungen entsprechend auch bei der Bestückung keine Mängel aufgefallen sind, machten wir uns nun wieder auf dem Weg zum Wachraum, frühstücken. Dies war dann auch sehr ausgiebig (schließlich mussten die Brötchen für die Vorschicht auch gegessen werden) und reichte zum völligen Völlegefühl. Nach dem Frühstück fläzt sich der gemeine Retter üblicherweise auf die Couch oder versucht ein bisschen zu schlafen, da das Wetter zu kalt für außerhäusliche Aktivitäten war. Dies wurde auch sofort umgesetzt, wohingegen ich mich noch ein bisschen für die Prüfungen vorbereiten wollte.

Nach ungefähr 4-5 Stunden (Zeitgefühl ist dort nicht gegeben, man orientiert sich eher nach Helligkeit :D) warf einer meiner Kollegen ein, dass wir noch Mittagsessen holen müssten und gewann damit gleich allgemeine Zustimmung. Also begaben wir uns ins Fahrzeug und fuhren zum nahegelegenen Edeka. Doch dann, ungefähr auf Hälfte des Fahrweges, kam ein Funkspruch rein: 7-83-01 für Florian XXX! Unser Beifahrer aus dem Trott gerissen, griff nach dem Hörer und gab Rückmeldung: 7-83-01 hört! Die Leitstelle kam nun mit der beunruhigenden Nachricht: Ja, 7-83-01 für sie einmal in die Borgenfelstr. 13, bei Schumann, männlich, vermutlich Reanimation! Auf der Stelle schaltete der Fahrer die Sondersignalanlage ein, während der Beifahrer die Daten ins Protokoll übertrug. Die Anfahrt dauerte keine 6 Minuten und wir eilten mit großer Diagnostik (EKG,O², Absaugung) zum Haus, wo uns die besorgte Frau ins Schlafzimmer zu ihrem unter Schmerzen stöhnenden Mann führte. Da ich noch nicht den Ablauf in der Realität kannte, habe ich erst einmal beobachtet. Nach kurzer Zeit übertrug man mir die Aufgabe, dem Patienten Sauerstoff über Maske zu geben. Dies tat ich wie befohlen und drehte den Flow wie indiziert auf. Jedoch mussten wir nach kurzer Zeit erkennen, dass die kleine O²-Flasche gleich zur Neige geht. (Wer hat die denn gecheckt?) Unser Fahrer rannte runter und holte die Ersatzflasche. In der Hektik nahm ich die Aufgabe des Wechseln nicht wahr und fragte einen meiner Kollegen, der das dann auch, aber eher unerfreut, machte. Als alles angebracht war, ein EKG ausgespuckt wurde und alle nach punktierbaren Venen suchten, kam auch schon die Notärztin herein. Sie erfragte kurz die Vorgeschichte, die derzeitige Medikation und den Hergang ab, während sie eine Vene traf und langsam Ass verabreichte. Das Einladen ging dann auch sehr schnell und unkompliziert. Auf dem Weg zum geeigneten Krankenhaus jedoch, hörten wir in der Fahrerkabine unseren Kollegen, der laut „Anhalten!“ rief. Ohne zu Zögern steuerte der Fahrer eine Haltebucht an und wir gingen mit dem NEF-Fahrer nach hinten. Dort herrschte Hektik, denn der Patient hatte nur noch sehr schwachen Puls. Alles andere wurde für die Rea vorbereitet und die Notärztin beurteilte nochmal den EKG-Streifen. Dann plötzlich hieß es: „Drücken!“. Und dann war ich dran. Ich hatte mich klugerweise genau rechts am Eingang, neben den Patienten gestellt, sodass die anderen nicht mehr beikamen. Also musste ich jetzt HDM durchführen. Was zuerst echt abschreckend und angsteinflößend ist, entwickelte sich schnell zu einem Rhythmus und hatte zum ersten Mal das Gefühl „vom Arbeiten und nicht über die Diagnose des Patienten nachdenken“. Nach 5-6 Minuten wurde ich von meinem Kollegen abgelöst. Die Notärztin hatte währenddessen schon die v. jugularis ext. punktiert und die restlichen Rea-Medikamente eingespült. Ein Eigenpuls war noch nicht vorhanden und auch das EKG sah alles andere als gesund aus. Nach kurzer Zeit und höheren Dosen war dann aber doch Erfolg zu verzeichnen, als wieder ein Puls zu ertasten war. Regelmäßig, aber schwach. Egal, die Zeit musste genutzt werden. Schnell zum Krankenhaus. Durch den Verkehr gedrückt und fix am Zielkrankenhaus. Der Zustand verschlechterte sich wieder zunehmens und wir legten auf dem Weg zum vorangemeldeten Intensivbett einen Schritt zu. Unfreundlich, aber (meist) professionell wurden wir dann auch von den Intensivdrachen der Station empfangen. Kurze, laute Anweisungen und wildes Rumgefluche weiste uns den angestrebten Raum. Alle standen schon bereit, als beim Umlagern der diensthabende Intensivarzt verkündete: „Herzstillstand!“. Diesmal waren es aber nicht wir, die drücken musste und so sammelten wir unsere Gerätschaften ein, bedankten uns gegenseitig für den reibungslosen Ablauf bei der Notärztin und schlenderten geschafft zum RTW. Der sah, wie so üblich nach „post-rea“, wie ein Schlachtfeld aus. Während meine Kollegen noch mit dem NEF-Fahrer quatschten und Papierkram erledigten, räumte ich langsam alles wieder auf und säuberte grob alle schmutzigen Flächen. Wenn man das so beobachtet, überall Blutspritzer, Tonnen an Verbrauchmaterial und Diagnostik, setzt man sich erst dann wirklich mit der eigentlichen Situation auseinander. Soweit war alles wieder provisorisch bereit, auf zu einem FastFood-Restaurant oder Schnellimbiss. Mit heißer Ware unterm Arm betraten wir dann wieder die Wache, ca. 2,5 Stunden hat der Einsatz mit Reinigen und Aufrüsten gedauert. Ein durchschnittlicher Wert.                               Beim Essen sprachen meine Kollegen mit mir den Ablauf nochmal durch. Wo kann ich was verbessern, was war gut. Wie siehst du den Einsatz. Lob/Kritik wurden ausgetauscht und mir wurden zuletzt Tipps gegeben, wo ich adäquate Hilfe finde, wenn ein Einsatz sich eben doch nicht so leicht abhaken lässt. Ich fragte nochmal das ein oder andere genauer nach und es entwickelte sich ein langes Gespräch über 1. Reanimation bei den Kollegen, belastendensten Fälle und viele andere Themen. An sich also ein sehr einschneidendes Erlebnis im Rettungsdienst.

An dieser Stelle kann ich das, in aller Ernsthaftigkeit, nur jedem ans Herz legen sich Hilfe zu holen und nicht aus falsche Scheu oder aus Scham an einem Einsatz selbst zugrunde zu gehen. Abschreckende Beispiele gibt es genug, doch wird die Tätigkeit mit jedem Einsatz weniger belastend. Meist kann aber auch ein Gespräch im Vertrauen mit Kollegen Wunder bewirken, nur bloß nicht allein zu Hause über eigene Fehler, Überlebenschancen oder Sinn des Lebens (so lustig es auch klingen mag) philosophieren!

Die folgende Nacht war dann, bis auf einen kleineren Einsatz, ruhig und so wurden wir den nächsten Morgen von unseren Kollegen der Nachschicht mit Brötchen unter’m Arm zum Frühstück gerufen.