Mit ‘lustig’ getaggte Beiträge

Mal wieder was zum Erzählen:

Ich war ganz normal in eine Nacht eingetragen, auf dem Ktw natürlich, warum auch nicht. (umpff) Ich dachte an eine ganz normale Nacht, wie sie in unserem Kreis doch so unterschiedlich sind, wie die dort anzutreffenden Krankheitsbilder. Heißt, mal schläft man ab 23 Uhr durch und mal fährt man durch, oder (ganz schäbig) man wird immer wieder rausgeklingelt und kommt nicht in die Tiefschlafphase. Naja, darauf vorbereitet, packte ich wie üblich meine Sachen und fuhr langsam los. Eigentlich mag ich Nachtschichten echt gerne. Man fährt los, wenn man ausgeruht und vorher seine Liebsten nochmal gesehen hat; und darf nach Hause fahren, wenn den anderen Morgen alle zur Arbeit fahren. Ebenso ist Autofahren wesentlich entspannter und die Straßen sind wie leergefegt.

Ich kam an, parkte meinen Wagen gewohnt in meine bevorzugte Parkbox ein und ging zur Wache, mich umziehen. Die Kollegen warteten schon sehnsüchtig auf die Ablöse, war anscheinend ein anstrengender Dienst auf dem Spätwagen. Ich verkabelte mich und fing an den Wagen zu checken, füllte hier und da auf, wischte zur Vorsicht nochmal ein paar Stellen über und drückte uns rein, als der Kollege von der Spätschicht bestätigte, dass mein Kollege schon in den Wachräumen rumgeistert. Die Spätschicht beendete die tägliche und ging Status 6. Mein Kollege, Simon, hatte derweil ein paar Süßigkeiten über den Küchentisch verteilt und sich schon fachgemäß für eine lange Nacht ausgebreitet. Wir verbrachten ein paar ruhige Stunden, vorm Fernseher und vorm Laptop, während uns der erste Einsatz entgegenflog. Gemeldet war: „Hilope“. Nicht wirklich, dass mich das überrascht hätte, aber ich hatte solch eine Meldung schon lange nicht mehr erfahren dürfen; umso unterhaltsamer das erstmalige Zusammentreffen wieder mit einer jenen „Hilo“. Wir fuhren ein paar Straßen weiter, an der Innenstadt vorbei und parkten unser treues Gefährt neben einer dunkel gekleideten Person, die offenbar hilflos am Straßenrand kauerte, halbseitig an einem Treppenabsatz gelehnt. Ich ging bedacht auf die Person zu und sprach sie an. Sie reagierte verzögert, aber zielgerichtet. Auf einmal ging die Haustür auf und ein junger Mann erschien im Türrahmen. Sie klärte uns kurz auf, im Rahmen seiner Möglichkeiten nach exzessivem Alkoholkonsum. Soweit ich das verstehen konnte, sei er der ältere Cousin des dort auf dem Boden sitzenden Jugendlichen, der wohl übermäßig ins Glas geschaut hatte, jedoch prompt eine Abfuhr von seinem noch „untrainierten“ ( 😉 😀 ) Körper erhalten hatte. Er schritt dabei leicht beiseite und erhellte nun mit dem Flurlicht den älteren Jugendlichen. Gleichzeitig trug ein aufkommender Windzug den Geruch von Alkohol (Sambuca, höchstwahrscheinlich) und Erbrochenem an unsere Nasen. Ich schaute mir den Typen genauer an, erhob nach allen Arten der Kunst eine einigermaßen als solche zu bezeichnende Anamnese und trug ein paar Daten ins Protokoll. Simon führte in der Zeit einen kurzen Smalltalk und versuchte noch ein paar Informationen zu bekommen, dazu schien ihn die derzeitige Situation sehr zu amüsieren. Er bereitete danach schon mal die Trage vor, während ich sie bezog. Wir hievten den Jungen recht schwungvoll rüber und verschnallten ihn. Nach dem Einladen und dem Abstimmen mit dem verantwortungsvollen Cousin, nahmen wir Fahrt in Richtung nächstgelegenes Krankenhaus auf. Ich installierte noch kurz das sog. Monitoring und sprach mit dem immer müder werdenden Patienten. Er wurde langsam unruhiger und bewegte sich häufiger, als ich schon zur Kotztüte griff. Ich presste ihm die Tüte in die Hand und gab ihm ein paar Anweisungen, damit nicht alles daneben läuft. Aber zu spät, 1/3 in die Tüte, der Rest auf’s T-Shirt. Super! Notdürftig versuchte ich das Massaker ein zu dämmen und wischte grob sauber, immer mit einem Lächeln im Gesicht. Das Leiden und die gefühlte Reue des Patienten machte meine zusätzlichen Mühen, die ich nun hatte, wieder voll kommen wett. Immer wieder erstaunlich, wie viele Abusus-Pat.s versichern, versprechen und schwören, nie wieder Alkohol anzurühren oder soviel zu trinken oder durchmischt zu trinken oder oder … . Wie viele das wohl wirklich einhalten?!

Wir erreichten unser Ziel und kamen langsam in der Liegendeinfahrt zum Stillstand. Ich hatte den Pat. nun größtenteils von seinem Erbrochenem befreit und seine Sachen wieder oberflächlich hergerichtet. Er war jetzt wieder völlig aufgeklart und ich konnte ihm den Stand der Dinge wieder ins Gedächtnis rufen. Er entschuldigte sich und versuchte, seine peinliche Lage nun nicht weiter zu verschlimmern. Wir fuhren mit ihm in die Ambulanz, woraufhin uns grinsend Sr. Mandy entgegenkam. Ein Zwinkern gab ihr schon zu verstehen, dass ein Jugendlicher C2 einchecken wollte. Der 6. heute laut Mandy, jedoch sicherlich einer der kooperativsten, zumindest im Moment. Wir lagerten um und machten eine Übergabe. Simon sah die Reste auf der Trage und griff beherzt zu einem Tuch. Er lachte als er sich möglicherweise die Szenerie vor Augen hielt, da ich ihm noch keine Einzelheiten mitteilen konnte. Der Pat. nickte mittlerweile ein und stand jetzt am Anfang, das Ausnüchterungsschema übermäßigen Alkoholkonsums von Jugendlichen, zu durchlaufen; wohl oder übel. Ich nahm der Sr. noch schnell ein paar Aufgaben ab, sprach dem Pat. ein paar beruhigende Worte zu und skizzierte ihm den weiteren Verlauf. Seine Ängste schienen sich zu verringern und die Peinlichkeit und Hilflosigkeit schien ihm jetzt Tränen in die Augen zu treiben. Ich tröstete ihn, momentan wirklich mitfühlend, als er mir seine schwierige Lebenssituation schilderte, die für einen 16-Jährigen wirklich außergewöhnlich klang. Nach einer Vielzahl ernst gemeinter Ratschläge und Tipps verließ ich den Raum, nicht ohne ihm jetzt ein besseres Gefühl bereitet und aufgemuntert zu haben. An der Ecke spaßten Mandy und Simon ausführlich rum und humorisierten professionell die üblichen Szenen. Irgendwann hatte mir Simon wohl auch mal gesagt, dass Mandy sehr süß sei. (Womit er zwar recht hat, aber bitte, doch nicht bei der Arbeit 😛 ). Wir quatschten noch ein wenig und trafen hier und da mal jemanden, bis wir alle recht müde, uns auf ein break geeinigt hatten und in unterschiedliche Richtungen verschwanden; naja, nicht ganz, ich musste nur noch kurz zur Anmeldung, dann aber natürlich ins gut vorgeheizte Auto, auf dem Weg zur Wache. Simon und ich schmunzelten noch ein wenig über den irgendwie grotesken, aber unterhaltsamen Einsatz. Sicherlich mal wieder ein angenehmer Hilope-Einsatz, nach mehreren missglückten Geschehnissen (folgen noch ..). In der Garage geparkt, waren wir uns sicher, dass wir durchschlafen können. Und wie in einem schlechten Film, wo man das happy-end schon voraussehen kann, konnten wir wirklich unterbrechungsfrei bis zum Morgen durchschlafen. Sehr erholsam, muss man sagen. Schon länger nicht mehr erlebt. Die Frühschicht begrüßte uns freundlich mit herrlich duftendem Kaffee und wir erzählten, ausgehend von Simon (vielleicht hat der Einsatz seinen Träumen eine lustigere Atmosphäre verliehen, wer weiß?!), von dem fehlgeschlagenem Besäufnis und konnten damit unseren Kollegen einen unbeschwerlicheren Start in den Tag beschaffen.

Simon und ich erledigten noch gewissenhaft die Nachbereitungen und verabschiedeten uns dann freundschaftlich. Ich stieg ein und fuhr der langsam aufsteigenden Sonne entgegen.

Traumhaft schön!

Kühle Luft rauscht einem um die Ohren und man fühlt sich doch recht allein auf der Heimfahrt, während die Arbeitswelt gemächlich erwacht. Ich mag Nachtschichten einfach 😀

Nach einiger Zeit ist mir nun gelungen, mich mal aufzuraffen und meine Gedanken in textform zu bringen.

Die verbachte Zeit dürfte ich unter anderem auf wirklich sehr erheiternden und belustigenden Sanitätsdiensten verbringen. Aufgrund einer Erkältungsgeschichte habe ich erstmal keine Rtw- oder Ktw- Schichten angenommen. Heißt natürlich nicht, dass man nicht gleich aus dem Kader der üblichen Verdächtigen gestrichen wird. So kam es auch schnell, dass ehe ich mich versah, auf einem San-Dienst mein Unwesen trieb. Ich dachte mir im Stillen, dass ein paar Stunden rumsitzen, Essen, bisschen quatschen und nach Hause fahren, dafür wirklich gut bezahlt werden. Leider sollte ich meine Meinung  noch früh genug ändern:

Früh morgens stieg ich noch müde in meinen Wagen und fuhr laaangsam zur Wache. Es war schon reges Gewusel zu registrieren, und zu allem Unmut schlenderte noch der Schichtführer in den Gängen der Wache umher. Wahrscheinlich wieder auf der Suche nach verirrten Zivis oder Ehrenamtlern, die er im Momente des Unbeobacht-Seins mit seinem imaginären Fangnetz für Dienste aquirierte. Ich huschte vorbei an den kritischen Stellen, sind mir doch die Schlupflöcher und unbenutzten Wege nur zu gut bekannt. 😉 Ich befand mich dann schon im Umkleideraum und wechselte meine Kleidung. Zu allem Erstaunen waren meine passende Hosen- und T-Shirt-Größe noch vorhanden, obwohl ich, weitsichtig wie ich bin, noch einen passenden Satz im Auto mithatte. (Jeder, der schonmal mit überweiter Einsatzkleidung arbeiten musste, weiß sehr genau, wie wichtig ein Reservesatz in unmittelbarer Reichweite ist :D)

Umgezogen und gestriegelt begab ich mich auf die Suche nach San-Rucksack und einem geeigneten und freiem(!) Auto. Nach kurzer, routinierter Umher-irrerei (die Wache hat ihre Räumlichkeiten mitttlerweile umstrukturiert) waren alle nötigen Sachen gefunden und verstaut. Mittlerweile kam auch der Kollege aus dem Umkleideraum und ging mit mir gemeinsam zum Wagen. Wir fuhren nun eine Weile und stationierten und fachgerecht. Materialien wurden zurechtgelegt und eine Position gesucht, in der man einige Zeit ruhig aushalten könnte.

So verging die Zeit und es füllte sich die zentrale Unfall-Hilfs-Stelle mit immer motivierterem Personal und abgefahrenerem Gerät. Da ich die andere Dimension, in der man sich auf San-Diensten befindet schon kannte, machte ich mir keine unnötigen Gedanken.

Ein paar Patienten wurde behandelt, mehr oder weniger schlimm verletzt, und es hieß Essenszeit. Eine recht anschauliche Anzahl an Familienpizzen wurde in dem Personalcontainer getragen und schon begann das Schauspiel. Die adipösesten Hobby-Retter preschten blitzartig nach vorne und ergatterten sich einen Karton(!), wo normal Menschen sich höchstens ein paar Stücke wegnahmen, dampfte und köstlich duftende Pizzen. Die 1,5l Cola (light :D) stets in der Linken schlenderten sie auf die nächste freie Sitzgelegenheit zu und begannen ihr Festmahl. Im einvernehmlichen Stillschweigen hofften, glaub ich, alle sogleich, dass die Partybänke tatsächlich dem Gewicht standhalten würden. Doch die Balken wurden nur arg in Mitleidenschaft gezogen, leichtes Ächzen und Knarren, nicht weiter.

Ich hatte jedoch leider nur einen der hinteren Plätze in der Schlange, sodass ich mit Verdruss feststellen musste, dass nur noch die kalten, zerfetzten Pizzastücke in der Ausgabe lagen.

Ich nahm widerwillig ein, zwei und zwingte sie mir runter. Im Hinterkopf den Gedanken: „Du musst den auch was kosten, sonst bestellen sie demnächst wieder so wenig.“ So vernichtete ich das Pizzagemetzel und beschlagnahmte erstmal eine Mineralwasserflasche in der Nähe, die ich aber nicht sonderlich verteidigen musste, was jedoch beim momentan aufgefahrenen Dessert exakt dem Gegenteil entsprach.

Ich guckte auf die Uhr und genoss die langsam in mir aufsteigende Feierabendfreude. Ich packte ein bisschen zusammen und schnappte nochmal die vielen lustigen Momente der adipösen Hobby-Retter auf. Diese stritten derweil über die offensichtlich sehr raren Erdbeer-Joghurts. Harte Geschütze wurden da teilweise aufgefahren, wo letztendlich mit der rettungsdienstlichen Qualifikation versucht wurde, Eindruck zu schinden. Amüsant, aber auch recht traurig, wenn man bedenkt, dass in einer Großschadenslage jene Leute, die sich gerade äußerst kindisch um Essen zankten, retten sollen?! Irgendwie ein seltsames Gedankenkonstrukt.

Naja, da gilt wohl: Dem Ehrenamt sein Dank!

Weitere Minuten vergangen und ich durfte fahren. Bei meinen persönlichen Zeitvertreibern verabschiedete ich mich und fuhr gemächlich zur Wache, immernoch leicht am Schmunzeln über die grotesken Bilder, die mein Gehirn noch mühselig versuchte zu verarbeiten.

Ander Wache angekommen, warf ich die Klüngels nur noch in die nächstgelegene Ecke und schrie um Eck‘, dass ich nun im Feierabend verschwinde; leider saß diesmal aber nun der Wachleiter im Büro :(, sodass ich eine kurze Rückmeldung aus den Fingern saugen musste. Und jetzt macht das mal, wenn du in 9 Stunden nichts Sinnvolleres getan hast als Lachen und Quatschen :D. Zum Glück gelang es mir halbwegs, zumal der Wachleiter selbst gedanklich schon im Feierabend war. Ich wurde entlassen und huschte wieder wie ein Ninja auf Mission an den sensiblen Ecken vorbei, krauchte zum Wagen und düste davon. Ein wirklich schöner Arbeitstag. Aber leider anstrengender als eine normale Rtw-Schicht bzw. eine Nacht auf’m Ktw.

Fazit: Wenn möglich erstmal keine San-Dienste mehr für mich, wenn es mir irgendwie gelingen sollte, auszuweichen.