Mit ‘Rettungsdienst’ getaggte Beiträge

Der Herbst kommt und die Unfallzahlen steigen wieder rapide an!

Jetzt kommt die Herbstzeit und der gemeine Autofahrer muss sich nun wieder auf die veränderte Straßensituation einstellen; Bätter, Nässe, Nebel und Müdigkeit aufgrund des allzeit diesigen Wetters tragen noch dazu bei die Übersicht zu verlieren.

Deshalb sollten Fahrmanöver, die mit Lenkbewegungen und abrupten Bremsen/ Beschleunigen zusammenhängen, tunlichst vermieden werden. Das Tagfahrlicht sollte sicherheitshalber auch tagsüber eingeschaltet sein und es sollte stets mit Fehlern anderer gerechnet werden.

Seichtes Fahren bringt einen aber dennoch sicher ans Ziel.

 

Gerade am gestrigen Tag sprachen erschreckende Bilder Bände:

„Ein Mittelklasse- Wagen rutschte in einer Kurve auf den durchnässten Blättern aus und geriet aus der Fahrbahn. Ein etwas außerhalb stehender Baum wurde mit mäßigem Tempo erfasst. Dabei wurde der Wagen frontswärts und seitwärts recht stark eingebeult und beschädigt. Der Fahrer und die Beifahrerin sind kurze Zeit bewusstlos gewesen, kamen aber nach Eintreffen des Notarztes wieder zu sich und wiesen insgesamt recht stabile Vitalfunktionen auf.

Die auf der Rückbank befindlichen Kinder jedoch wurden zeitversetzt reanimationspflichtig und verstarben leider kurz darauf an der Unfallstelle. Nach meinem Kenntnisstand überstanden die Eltern den Unfall folgenfrei und haben „nur“ kleinere Frakturen und Blessuren davongetragen. ( ausgenommen den tragischen Verlust ihrer Kinder! ). Laut Polizeibericht konnte dem Fahrer explizit keine Schuld zugewiesen werden, wenngleich eine umsichtigere Fahrweise kein Entgleiten und Ausbrechen des Fahrzeugs provoziert hätte.“

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Man kann es so oder so sehen, aber insgesamt ist der Rettungsdienst ein sehr sozialer und altruistischer Dienst an der Gesellschaft, am Menschen. Leider bleiben Geschehnisse, die einen manchmal an das Gute im Menschen zweifeln lassen, nicht aus:

Jeden neuen Arbeitstag geht der gemeine Rettungsassistent zu früher Morgenstunde zur Wache und schlägt sich mit seinem Kollegen zu dem zubesetzenden Transportmittel durch. Nach eingehender Untersuchung auf Vollständigkeit und Haltbarkeit wird der Wagen als einsatzbereit auf der Leitstelle angemeldet. Nun beginnt das mehr oder wenige bange warten auf den nächsten Einsatz, den nächsten Unfall oder Notfall. In dieser Zeit erfährt einen eine unterschwellige, aber stets vorhandene Grundanspannung. Mit der Zeit legt es sich natürlichermaßen, aber wird einem dann mit grellendem Ertönen des Melders wieder vor Augen gehalten. In dem Einsatzgeschehen wird im Regelfall sehr konzentriert und professionell gearbeitet. Keine unnötigen Risiken oder vermeidbarer Zeitverzug werden eingegangen. Menschliche Bedürfnisse und Emotionen werden weitestgehend weggesteckt bzw. vermieden am gegenwärtigen Einsatz zum Ausdruck zu bringen. Nach Ankunft am Krankenhaus und übergeben des Patienten an das zuständige Personal ist jedoch noch eine gewisse Aufregung vorhanden. Viele RD’ler sind Raucher. Bekanntermaßen erhoffen sich die meisten eine zeitweise Entspannung mittels Nikotinkonsum. Ist dann ein bisschen Ruhe und Entspannung eingekehrt, macht man sich wieder auf den Weg zur Wache, um sich Gedanken um das Mittagessen oder den Zeitvertreib auf dem geringen Platz zu machen. In groben Zügen sieht so ungefähr der Arbeitsalltag aus.

Sehr deprimierend und enttäuschend ist es dann, die (nicht seltene) schier grenzenlose Undankbarkeit mancher Mitmenschen zu sehen. Dass der Status und Respekt des Rettungsdienstes in der Gesellschaft innerhalb der letzten Jahre rapide abgenommen hat, ist längst kein Geheimnis mehr, doch dass die Menschen, den man geholfen, öfters auch gerettet hat, noch nicht mal einen Funken von Dankbarkeit zeigen können; das ist hingegen neu. Privatpatienten zu vorbestellten Krankentransporten sind ein Graus, aber, und das ist der Knackpunkt, darauf stellt man sich im Laufe der Jahre ein.

Nichts ist schlimmer als böse Überraschungen.

Wenn man jedoch einen Notfalleinsatz bekommt, welcher sich im Verlauf als Reanimation entpuppt, dann rechnet man nach erfolgreicher CPR, dass die umstehenden Angehörigen dankbar und zufrieden mit unserer Arbeit sind. Doch wenn man mit genau der gegenteiligen Reaktion konfrontiert wird, überkommt einem das Gefühl, dass über einem die Welt zusammenbrechen würde bzw. die Welt doch ungerecht ist. Und zu guter Letzt: Dankbarkeit ist die mittelbarste Beurteilung unserer Arbeit und eine ebenso grenzenlose Quelle von Motivation und Lob! Zu erwarten ist selbstverständlich nicht, dass Angehörige sich trotz gescheiterter Rea noch bedanken; doch bei einem anfänglich sehr chancenlosen Ausgangspunkt, den man durch gute Arbeit jedoch optimal genutzt hat, denkt man, dass ein Wort des Dankes angemessen ist und für den Einzelnen anwesenden äußerst wertvoll sein können.

Kann man mal drüber nachdenken, bei Gelegenheit. 😉

<Sartiremodus>

Die wohl am häufigsten angestellte Unterscheidung bei Eintreten in die Notaufnahme:

Ihr kommt schnellen Schrittes mit einem mehr oder weniger erkrankten Patienten, auf der Trage liegend, in die Notaufnahme gefahren und werdet nach einem Zeitraum x (wobei x auch manchmal gegen unendlich streben kann 😛 ) plötzlich aus einer dunklen und bis dato unbekannten Ecke angesprochen:

„Chirurgisch oder Internistisch?“  (Jetzt, Neulinge, Vorsicht! Lasst den erfahrenen Kollegen anworten und mimt einen Hustenanfall)

Je nachdem welche Schwester gerade Dienst hat und in welcher Stimmung die Gute ist, wird noch eine Begrüßung, der Tageszeit entsprechend, vorgeschoben.

Prompt muss die Antwort in Richtung Schwester gerufen werden, sonst wird dies schnell mal als Provokation oder Inkompetenz eurerseits aufgefasst. Ist die Entscheidung nach prüfendem Blick der Schwester zutreffend, wird sich nach dem zuständigen Facharzt umgeschaut; wenn es aber mal nicht gelingt, die richtige Einschätzung zu treffen, dann wird sich eine Vielzahl von möglichen Folgen vor euch öffnen:

  1. Euch werden in einer recht kindlichen, aber jovialen Art und Weise die Unterscheidungskriterien aufgezählt und womöglich an ein paar sehr einleuchtenden Beispielen verdeutlicht.  Eine eher angenehme Konfrontation, meist von dicklicheren, aber sehr fähigen, erfahrenen und äußerst lieben Krankenschwester bei fast jeder Tageszeit anzutreffen.
  2. Ihr werdet bemitleidenswert angeschaut, aber darauf nicht angesprochen. Meist von Teilzeitkräften vollzogen, die sich vor Augen halten, dass sie nur selten da sind und sich nicht unbeliebt machen bzw. aufspielen wollen. Ihr mütterliches Beschützerbedürfnis obsiegt des Öfteren einer deftigen Standpauke, wahrscheinlich aus gewohnheitlichen Gründen aus ihrer eigenen Großfamilie bekannt.
  3. Dieses Mal scheint die sichtlich erboste Schwester euch diesen Faux-Pas zu verzeihen, doch dies ist ein grausamer Trugschluss. Bei der nächsten günstigen Gelegenheit, wobei sich mit Anzahl und dem „Rang“ der jeweils anwesenden Personen das Schamgefühl potenziert, wird die ganze Tragweite ihres nachtragenden Charakters offensichtlich, wenn sie dich mit einem wohligem Hochgenuss vor der ganzen Mannschaft vorführt. (Kann bei labilen Charakteren in einer langjährigen Psychopharmakasucht resultieren, die ihre Wurzel in sich stetig ausweitenden Minderwertigkeitskomplexen hat…)
  4. Ihr werdet, ungeachtet der derzeit anwesenden Personen, kurz angeschrien und mit abgeschwächten, latenten Beleidigungen minutiös runtergemacht, während sich die angesammelte Wut der Krankenschwester kanalisiert und auf euch geschleudert wird. Nach der Ansprache beruhigt sie sich wieder, entschuldigt sich dann auch nicht selten für ihre übertriebenen Ausuferungen und emotionalen Ausbrüche. Nach gemeinsamen/r Kaffee oder Zigarette lässt sich dafür umso reibungsloser und kollegialer arbeiten, da sie relativ stark im Leben steht und man mit ihrer Impulsivität gut umgehen kann. Öfter bei Schwestern Anfang/Mitte Vierzig, verheiratet, 2 Kindern, anzutreffen.
  5. Ihr werdet kurz ausgelacht, dann aber animiert, selbst über eure Dämlichkeit zu lachen. Der Fehltritt wird auf menschliche Attribute wie Übermüdung, Unkonzentration usw. geschoben und es wird in keinster Weise irgendwo angezweifelt, dass ihr nicht in der Lage seid eine glasklare Unterscheidung vorzunehmen. Mit Abstand die angenehmste Konfrontation, daher auch ziemlich selten anzutreffen, wenn aber wahrscheinlicher bei sehr jungen, guten Schwestern, die recht bodenständig und gefestigt sowie humorvoll und beliebt sind.

[…]

Nur um ein paar zu nennen.

Fazit: Am besten rennt man bei dem kleinsten Anzeichen eines Missgeschicks auf der Stelle vor die Tür und raucht sich erstmal eine. Dann täuscht man ein wichtiges Telefongespräch vor und lässt sehenden Auges den beherzten Kollegen in das Nest der „tarantula soror medicinae“ tapsen.

</Sartiremodus>
(Nachwort:
Natürlich sollen meine scharfsinnigen Beobachtungen und subjektiven Unterteilungen einzig und allein der Unterhaltung dienen und zum Denkanstoß anregen. Es liegt mir äußerst fern, irgendjemanden bzw. aufgeführte Berufsgruppen zu diskriminieren oder persönlich anzugreifen. Wenn dies trotzdem jemand so empfindet,  appelliere ich an humorvolle Oberflächlichkeit, Selbstironie und die Chance, den moralischen Zeigefinger mal wegzustecken und über sich selbst zu lachen.)

Wer hat das noch nicht erlebt:

Ihr habt einen ambitionierten Akademiker zu einem Einsatz dazugerufen und ihr werdet nach Abfertigung der Standardmaßnahmen plötzlich aus dem Konzept gebracht:

[…]

„Kannst du mir eben Acetylcystein geben?“ fragt der Notarzt.

Ihr guckt auf und richtet euren Blick auf den Doc. „Haben wir nicht auf dem Auto. Tut mir Leid! Willst du was anderes haben?“

„Ja. Ne. Schade. Ok. Dann versuchen wir es mal so. Nochmal bitte die Beloc…“ murmelt der NA leise vor sich hin und schaut sichtlich verwundert.

Oder noch ein Paradebeispiel:

Bei einem kleinerem Feuer haben wir eine Person aufgenommen, die jedoch eine starke Rauchgasintoxikation erlitten hatte. Nun schwirrt jedem halbwegs erfahrenem RD’ler sofort ein prädestiniertes Medikament im Kopf umher, welches bei Rauchgasintox gerne mal zum Einsatz kommt.

So war es dann auch, dass wir während der Installation des Monitorings dem Notarzt schonmal die Frage zuwarfen: „Willst bestimmt 4-DMAP haben, nicht?“.

Er schrieb‘ noch kurz den Satz auf dem Einsatzprotokoll zu Ende und neigte dann seinen Kopf in unsere Richtung. Dabei formulierte er die Frage: „Wieso? Haben wir denn kein Hydroxocobalamin (Cyanokrit)  drauf?“.

„Mein Kollege und ich schauten uns gemeinsam an und sagten dann fast zeitgleich: „Nee. Wir hatten und werden wahrscheinlich erstmal auch kein Hydroxocobalamin auf’m Auto haben (leider noch recht teuer..).“

Der NA stöhnte demonstrativ und nahm widerwillig das halbaufgezogene 4-DMAP in die Hand. Er applizierte die nötige Dosis und wies uns dann an in eine gewünschte Klinik zu fahren.

„Schön, dass die Medikamente immer da sind, wenn ich sie mal brauche..“ sagte er in einem Anflug von Ironie und warf uns ein Lächeln zu.

Schon ein Phänomen, dass die Notärzte auch immer die Medis wünschen, die sie wissentlicherweise nicht bekommen können. Ist halt nicht da. 😛

Selbstverständlich tut sich da jetzt unweigerlich die Diskrepanz zwischen Nachfrage (der NA’s) und der Kostendeckung (der Medis) auf, aber das ist eine andere Baustelle. Dennoch interessant zu beobachten. Die Vielzahl der geübten NA’s reagieren ja auch sehr professionell auf die „medikamentöse Abfuhr“, wenn sie denn nicht schon vorher im Groben wissen, was nicht drauf ist.

Beobachtet dies mal. Hat den ein oder anderen Lacher beschert, die Reaktionen der Doc’s zu sehen. 😀 😀

Anscheinend ist wohl kürzlich wieder die „Trauma-Zeit“ ausgerufen worden. Fast alle Rettungsmittel in unserem Kreis und im nahen Umkreis sind in der vergangenen Woche mindestens 1 Polytrauma gefahren. Die so gering anmutende Zahl ist jedoch immens, da im Vergleich zum Jahresdurchschnitt auf 5 Rettungsmittel ungefähr 1,75 Traumata pro Woche kommen! Und selbst diese Zahl sollte gegen null streben.

Versuche, diese ungewöhnliche Häufung mit dem wechselnden Wetter- bzw. Klimabedingungen zu erklären, scheitern ebenso wie Begründungen, dass Fahrbahnen besonders rutschig und schlecht einsehbar sind zu den Witterungsverhältnissen. Eigentlich ist nämlich keine erwähnenswerte Klimaänderung zu beobachten, aber Wetterempfinden ist ja bekanntlich sehr subjektiv.

Mal im Auge behalten, wie sich das Ganze noch entwickelt. Möglicherweise aber auch nur eine kleine Spitze in der Statistik und nicht der Rede wert..

Ein Gedanke gilt noch den vielen Trauma-Opfern (-wenn man jetzt schonmal im 11. September-Trauerwahn ist ). Mögen sie wieder schnell genesen und im Falle des Verschuldens daraus eine ernste Warnung gesehen haben!

Jetzt noch die obligatorische Warnung:

Fahrt bitte vorsichtig und überschätzt euch nicht. Fahrmanöver sind bei unterschiedlichen Witterungsverhätlnisse, verschieden gefährlich. Im Zweifelsfall kein Risiko und dadurch sich selbst oder sogar andere gefährden. So, das hätten wir auch.

„Und damit schließe ich diese Akte.“, um es in den Worten von Ulrich Meyer zu sagen.

Brennpunkt – Übergabe?!

Veröffentlicht: September 7, 2011 in Rettungsdienst
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Vor kurzem musste ich mal wieder erleben, wie unterschiedlich die Wertschätzung einer Übergabe ist. Folgendes:

Auf der Rückfahrt einer befreundeten Wache vom gemütlichen Pläuschen mussten wir schon wieder ran. Wir wurden gerufen und uns wurden die Daten durchgegeben, die unter anderem „VU mit Kradfahrer“ enthielten. Mit Sondersignal machten wir uns schnellstmöglich auf den Weg. Als wir angekommen waren, sahen wir schon unsere nächsten Schritte vor dem inneren Auge abspielen, denn die Meldung schien diesmal haargenau zu passen. Ein Kradfahrer wurde von einem Mittelklasse-Wagen bei einem Überholvorgang erwischt.

Nach dem üblichen Prozedere und dem zügigen Anfahren eines naheliegenden Maximalversorgers fanden wir uns kurz darauf mit unserem Patienten in der Liegendeinfahrt wieder. Schnellen Schrittes eilten wir auf das schon bereitstehende Team des Notaufnahmepersonal zu und folgten ihnen den bekannten Weg in den ersten Schockraum.

Während wir dann behutsam umlagerten, fing mein Kollege an eine Übergabe zu machen.Und ab dem Zeitpunkt fiel mir auf, dass ihm überhaupt keiner zuhörte. Jetzt könnte der gemeine Skeptiker sagen: „Ok, Moment mal, beim Umlagern ist Vorsicht geboten und möglicherweise konnte sich deshalb in dem Augenblick keiner auf eine Übergabe konzentrieren.“ Gut. Das muss man der Stelle auch gelten lassen. So packten wir langsam zusammen und versuchten unseren Kram zentral auf der Trage zu sammeln, als mein Kollege sodann einen erneuten Versuch startete. Ich beobachtete aber nicht weniger scharfsinnig die Nicht-Reaktion bzw. Abwesenheit der Aufnahmeschwestern und Ärzte, die sich wieder keineswegs für ein paar Werte oder interessante Erkenntnisse zu interessieren schienen, als mein Kol. einen zweiten Versuch unternahm. Ich flüsterte ihm leise zu, dass er wohl ein wenig lauter sprechen, um hier mal Gehör zu finden. Aber auch das half anscheinend nichts. Er kam nach ungefähr zehn Minuten wieder (-ich hatte schonmal ein bisschen Chaosbewältigung betrieben-) und ihm war der Ärger über soviel Ignoranz und Fahrlässigkeit im Gesicht abzulesen. Mit einem Anflug eines Lächelns fragte ich, ob noch eine vernünftige Übergabe loswerden konnte. Wie geahnt, waren alle viel zu beschäftigt und überlastet, dass einfach niemand verfügbar war. Irgendwann hat er eine Schwester bestimmend zur Seite genommen, alles Wichtige runtergerattert, etwaige Fragen beantwortet und ihr eine Kopie in die Hand gedrückt.

Auf der Rückfahrt mussten wir erst einmal diskutieren, was das jetzt genau war?! Hatten wir irgendwas an uns oder gibt es eine geheime Dienstanweisung in jenem Krankenhaus, die verbietet, jedwede Übergabe abzulehnen? Sahen wir zu inkompetent aus oder sahen uns nicht in der Lage wiederverwertbare Ergebnisse wiederzugeben?

Nach Hin und Her kamen wir zu dem Schluss: Vielleicht sind wir aber auch nur zu verwöhnt und versteift. Gewohnt waren wir bis jetzt immer, dass wir eine solide Übergabe vom Krankehauspersonal, z.B. bei Krankentransporten, bekamen und wir im Gegenzug genauso eine Übergabe an die Pflegeeinrichtung o.Ä.  unternahmen. Geradezu selbstverständlich ist jedoch schon immer eine Übergabe vom Rettungsdienst an die Klinik bei Notfallgeschehen. Wir pochen immerzu wie die annehmenden Schwestern, Assistenten, Ärzte usw. auf eine ordentliche Übergabe. Ohne Übergabe keine Übernahme, quasi.

Bei genauerem Hinsehen wird einem auch sehr schnell sehr deutlich wie unverzichtbar dieses Vorgehen ist. Denn normalerweise ist die Übergabe ein elementar wichtiges Glied in der Kette einer optimalen Patientenversorgung. Wie dann über sie so einfach hinweg zu sehen ist, kann ich mir nicht wirklich erklären. Streng genommen ist solch ein Verhalten nicht nur fahrlässig (weil intiale Werte, Vorerkrankungen, regelm. Medikationen, Allergien! usw. des öfteren mal äußerst wichtig sind), sondern auch respektlos und unverschämt dem Rettungsdienst gegenüber, da die Verantwortung für den Patienten mit vollständiger Übergabe erst komplett an die Klinik abgegeben wird. Wer sich nicht nach einer Übergabe erkundigt oder eine erbittet, macht dadurch eher einen unprofessionellen und unerfahrenen Eindruck.

Ich weiß natürlich nicht, ob der Stellenwert von Region zu Region unterschiedlich ist. Jedenfalls kann ich aus Erfahrung, dass unsere Auffassung gemein ist mit dem Rettungsdienst in einem Umkreis von 30km.

Ob der Patient ohne Folgeschäden überlebt hat, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Prognosen sahen recht gut aus, aber man weiß ja nie recht. Mal schauen, ob die Tage Gewissheit einzuholen ist. Natürlich unterstell‘ ich damit jetzt nicht, dass ein positiveres Outcome bei angenommener Übergabe zu erwarten gewesen wäre. Das wollte ich nochmal klarstellen. In welchem Verhältnis die zu einander stehen, sollen Experten entscheiden. Bei Änderungen oder Komplikationen im normalerweise eingespielten Ablauf (bei bestimmten Krankheitsbildern) kommen halt zwangsläufig immer Gedanken über den Zustand des Patienten ins Spiel, wenn man das zur Verteidigung anführen darf . 😛

Vielleicht waren wir aber auch einfach nur Störenfriede der nächtliche Ruhe oder haben mittlerweile einen schlechten Ruf in jenem Krankenhaus, oder oder… Ich werd‘ mich demnächst mal umhören, wie sich das in Zukunft gestaltet.

Wie zig tausend andere junge Leute wurde auch ich kurz nach der 12. von einem sehr netten Schreiben des Kreiswehrersatzamtes belästigt und musste mich so langsam mal mit der Entscheidung Bund oder Zivi beschäftigen.

Schnell war jedoch klar: Zivi!

Da ja bekanntlich der Zivildienst nur noch neun Monate dauert, werden keine Ausbildungen oder vorhersehbaren Verzögerungen mehr akzepiert, da sonst der „Nutzen“ am Zivi nur gering wäre, und womöglich auch noch Kosten produzieren könnte. -.-

Also wird einem als Anwärter im Zivildienst eine andere Möglichkeit unterbreitet, ein freiwilliges soziales Jahr, kurz: FSJ. In diesem Modell verpflichtet man sich dann 12 Monate (Wer hätt’s gedacht 😉 ) einer gemeinnützigen Organisation auszuhelfen. Aber auch die alternative Version des Zivildienstes wird vollwertig anerkannt, bzw. ist ziemlich förderlich bei späteren Ausbildungsplatz- oder Studienplatzbewerbungen. Aufgrund der 3 Monate, die man dadurch dann mehr zur Verfügung hat, lassen sich dann auch branchenspezifische Ausbildungen einfügen. So zum Beispiel eine rettungsdienstliche Ausbildung, wenn man vorhat in die Sparte „Rettungsdienst“ mal reinzuschnuppern, um dann später in der Branche auch eingesetzt werden zu können. Nach der erfolgreich absolvierten Ausbildung wird man dann sofort eingsetzt und übt dann quasi höherwertige Zivi- Aufgaben aus, bei welchem man durchaus Verantwortung und Pflichtbewusstsein beweisen muss.

Mit der Zeit wächst man auch langsam in das alltägliche Geschehen rein. Kollegialitäten und Freundschaften beginnen zu entstehen. Man lernt die familiäre Atmosphäre einer Wache kennen. Aus Fehlern wird dann kein Hehl mehr gemacht, aber es folgt auch kein Donnerwetter. So erlebt man unmittelbar das Gefühl eines typischen Arbeitnehmers. Langeweile lässt sich aufgrund routinierter Vorgänge nicht vermeiden, Mini- Revolutionen gegen Vorgesetzte flammen bei jeder noch so kleinen Änderung auf. Und im FSJ bist du, nach eisernem Integrationswillen wohlgemerkt, ein Teil des Ganzen. Das sollte jetzt keine unterschwellige Werbung für ein FSJ im Rettungsdienst sein. Ich wollte nur kurzum einer der mir am positivsten im Gedächtnis verbliebenen  Ereignisse wiedergeben, was mir am meisten gefallen hat an meiner Wache und weswegen mein FSJ auch sehr eindrucksvoll war.

Wer also noch überlegt, ob Rettungsdienst ein Beruf ist, in dem man sich nicht nur gut vorstellen kann, dort zu arbeiten, sondern auch mal hautnah erleben will, ob er/ sie überhaupt dafür geeignet ist, der könnte sich über ein freiwilliges Jahr im Rettungsdienst oder Krankentransport Gedanken machen. Schlußendlich kann man nur als Gewinner gehen: Entweder sagt einem der Job auch im Alltag zu und man baut auf der vorhandenen Ausbildung auf (und hat schon bisschen Erfahrung) oder man muss passen, kann aber gelegentlich mal fahren oder vergütet bei anderen Organisationen nur im Krankentransport (qualifiziert/unqualifiziert selbst überlassen). Es stehen einem dann zwangsläufig mehr Wege offen, als vorher. 😉

In diesem Sinn,

Rtw ftw?! (oder nicht?)