Mit ‘sozial’ getaggte Beiträge

Man kann es so oder so sehen, aber insgesamt ist der Rettungsdienst ein sehr sozialer und altruistischer Dienst an der Gesellschaft, am Menschen. Leider bleiben Geschehnisse, die einen manchmal an das Gute im Menschen zweifeln lassen, nicht aus:

Jeden neuen Arbeitstag geht der gemeine Rettungsassistent zu früher Morgenstunde zur Wache und schlägt sich mit seinem Kollegen zu dem zubesetzenden Transportmittel durch. Nach eingehender Untersuchung auf Vollständigkeit und Haltbarkeit wird der Wagen als einsatzbereit auf der Leitstelle angemeldet. Nun beginnt das mehr oder wenige bange warten auf den nächsten Einsatz, den nächsten Unfall oder Notfall. In dieser Zeit erfährt einen eine unterschwellige, aber stets vorhandene Grundanspannung. Mit der Zeit legt es sich natürlichermaßen, aber wird einem dann mit grellendem Ertönen des Melders wieder vor Augen gehalten. In dem Einsatzgeschehen wird im Regelfall sehr konzentriert und professionell gearbeitet. Keine unnötigen Risiken oder vermeidbarer Zeitverzug werden eingegangen. Menschliche Bedürfnisse und Emotionen werden weitestgehend weggesteckt bzw. vermieden am gegenwärtigen Einsatz zum Ausdruck zu bringen. Nach Ankunft am Krankenhaus und übergeben des Patienten an das zuständige Personal ist jedoch noch eine gewisse Aufregung vorhanden. Viele RD’ler sind Raucher. Bekanntermaßen erhoffen sich die meisten eine zeitweise Entspannung mittels Nikotinkonsum. Ist dann ein bisschen Ruhe und Entspannung eingekehrt, macht man sich wieder auf den Weg zur Wache, um sich Gedanken um das Mittagessen oder den Zeitvertreib auf dem geringen Platz zu machen. In groben Zügen sieht so ungefähr der Arbeitsalltag aus.

Sehr deprimierend und enttäuschend ist es dann, die (nicht seltene) schier grenzenlose Undankbarkeit mancher Mitmenschen zu sehen. Dass der Status und Respekt des Rettungsdienstes in der Gesellschaft innerhalb der letzten Jahre rapide abgenommen hat, ist längst kein Geheimnis mehr, doch dass die Menschen, den man geholfen, öfters auch gerettet hat, noch nicht mal einen Funken von Dankbarkeit zeigen können; das ist hingegen neu. Privatpatienten zu vorbestellten Krankentransporten sind ein Graus, aber, und das ist der Knackpunkt, darauf stellt man sich im Laufe der Jahre ein.

Nichts ist schlimmer als böse Überraschungen.

Wenn man jedoch einen Notfalleinsatz bekommt, welcher sich im Verlauf als Reanimation entpuppt, dann rechnet man nach erfolgreicher CPR, dass die umstehenden Angehörigen dankbar und zufrieden mit unserer Arbeit sind. Doch wenn man mit genau der gegenteiligen Reaktion konfrontiert wird, überkommt einem das Gefühl, dass über einem die Welt zusammenbrechen würde bzw. die Welt doch ungerecht ist. Und zu guter Letzt: Dankbarkeit ist die mittelbarste Beurteilung unserer Arbeit und eine ebenso grenzenlose Quelle von Motivation und Lob! Zu erwarten ist selbstverständlich nicht, dass Angehörige sich trotz gescheiterter Rea noch bedanken; doch bei einem anfänglich sehr chancenlosen Ausgangspunkt, den man durch gute Arbeit jedoch optimal genutzt hat, denkt man, dass ein Wort des Dankes angemessen ist und für den Einzelnen anwesenden äußerst wertvoll sein können.

Kann man mal drüber nachdenken, bei Gelegenheit. 😉

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Wie zig tausend andere junge Leute wurde auch ich kurz nach der 12. von einem sehr netten Schreiben des Kreiswehrersatzamtes belästigt und musste mich so langsam mal mit der Entscheidung Bund oder Zivi beschäftigen.

Schnell war jedoch klar: Zivi!

Da ja bekanntlich der Zivildienst nur noch neun Monate dauert, werden keine Ausbildungen oder vorhersehbaren Verzögerungen mehr akzepiert, da sonst der „Nutzen“ am Zivi nur gering wäre, und womöglich auch noch Kosten produzieren könnte. -.-

Also wird einem als Anwärter im Zivildienst eine andere Möglichkeit unterbreitet, ein freiwilliges soziales Jahr, kurz: FSJ. In diesem Modell verpflichtet man sich dann 12 Monate (Wer hätt’s gedacht 😉 ) einer gemeinnützigen Organisation auszuhelfen. Aber auch die alternative Version des Zivildienstes wird vollwertig anerkannt, bzw. ist ziemlich förderlich bei späteren Ausbildungsplatz- oder Studienplatzbewerbungen. Aufgrund der 3 Monate, die man dadurch dann mehr zur Verfügung hat, lassen sich dann auch branchenspezifische Ausbildungen einfügen. So zum Beispiel eine rettungsdienstliche Ausbildung, wenn man vorhat in die Sparte „Rettungsdienst“ mal reinzuschnuppern, um dann später in der Branche auch eingesetzt werden zu können. Nach der erfolgreich absolvierten Ausbildung wird man dann sofort eingsetzt und übt dann quasi höherwertige Zivi- Aufgaben aus, bei welchem man durchaus Verantwortung und Pflichtbewusstsein beweisen muss.

Mit der Zeit wächst man auch langsam in das alltägliche Geschehen rein. Kollegialitäten und Freundschaften beginnen zu entstehen. Man lernt die familiäre Atmosphäre einer Wache kennen. Aus Fehlern wird dann kein Hehl mehr gemacht, aber es folgt auch kein Donnerwetter. So erlebt man unmittelbar das Gefühl eines typischen Arbeitnehmers. Langeweile lässt sich aufgrund routinierter Vorgänge nicht vermeiden, Mini- Revolutionen gegen Vorgesetzte flammen bei jeder noch so kleinen Änderung auf. Und im FSJ bist du, nach eisernem Integrationswillen wohlgemerkt, ein Teil des Ganzen. Das sollte jetzt keine unterschwellige Werbung für ein FSJ im Rettungsdienst sein. Ich wollte nur kurzum einer der mir am positivsten im Gedächtnis verbliebenen  Ereignisse wiedergeben, was mir am meisten gefallen hat an meiner Wache und weswegen mein FSJ auch sehr eindrucksvoll war.

Wer also noch überlegt, ob Rettungsdienst ein Beruf ist, in dem man sich nicht nur gut vorstellen kann, dort zu arbeiten, sondern auch mal hautnah erleben will, ob er/ sie überhaupt dafür geeignet ist, der könnte sich über ein freiwilliges Jahr im Rettungsdienst oder Krankentransport Gedanken machen. Schlußendlich kann man nur als Gewinner gehen: Entweder sagt einem der Job auch im Alltag zu und man baut auf der vorhandenen Ausbildung auf (und hat schon bisschen Erfahrung) oder man muss passen, kann aber gelegentlich mal fahren oder vergütet bei anderen Organisationen nur im Krankentransport (qualifiziert/unqualifiziert selbst überlassen). Es stehen einem dann zwangsläufig mehr Wege offen, als vorher. 😉

In diesem Sinn,

Rtw ftw?! (oder nicht?)